Ein freundlicher alter Herr, Don Liberato X......, stellte mich dem Präsidenten, General Cabannas, vor, einem kleinen Manne, der mir kaum bis an die Herzgrube reichte, mit einem Kopfe, der sich zum Körper wie 1 zu 6 verhält, einem Gesichte voller Narben, aber einem Paar biederer, kluger Augen, aus denen Muth und Energie blitzt, und der felsenfeste Geist eines redlichen Patrioten und tüchtigen Feldherrn.
Bei Morozan's Rückzug von Guatemala hatte der damalige Colonel Cabannas die Kathedrale mit einem Häuflein besetzt und gehalten, bis das ganze Patriotenheer sich zurückgezogen, und schlug sich dann mit 100 Mann durch ihrer 3000, wobei freilich kaum ein Viertheil seiner Tapfern mit dem Leben davonkam. Als Guardiolas im Jahre 1849 die Regierung umstürzen wollte, genügte der bloße Name Cabannas', um ein Heer auf die Beine zu bringen, und schnell, wie Spreu vom Winde, waren die Empörer auseinandergejagt.
Der Mann war mir trotz seines unschönen Aeußern wirklich lieb geworden, und ich fand den Enthusiasmus für ihn ganz begreiflich. Er bewohnt jetzt das Haus, das ehemals Morozan gehörte, ein pittoreskes, altspanisches Gebäude, dicht am Flusse gelegen, über den hier eine breite steinerne Brücke von 17 Pfeilern führt, die erste, die ich in Central-Amerika gesehen, denn die von Leon ist nie vollendet worden.
Aller Wahrscheinlichkeit nach bin ich das erste Malerexemplar, das sich in diese Himmelsstriche verirrt hat, denn es ist unglaublich, was ich von der Neugierde der Leute auszustehen hatte; bei der Arbeit umstanden sie mich so dicht, mir nur gerade ein Stück Aussicht offen lassend, daß kein Lüftchen mir Kühlung bringen konnte, hier unter der tropischen Sonne eine höchst unerquickliche Probe von Kunstliebe.
Ich sah im Hause des Präsidenten mehrere sehr schöne Opale, deren im Gebirge von ungeheuerer Menge, wenn auch nicht alle von gleichem Werthe, vorhanden sind; einen davon verehrte er mir, sowie auch einige schöne Gold- und Silbererze.
Nach alle diesen Kreuz- und Querzügen nahte sich der Monat Mai heran, und mit dessen Ende das Ende der trockenen Jahreszeit. Wie schmerzlich fühlte ich hier den durch meine Krankheit verursachten Zeitverlust, der es mir unmöglich machte, noch einen Abstecher nach Copan vorzunehmen, obschon ich mich hier bereits auf ziemlich zwei Drittel des Weges von Leon dahin befand; allein jetzt war es die höchste Zeit, den Rückmarsch nach Leon anzutreten, wollte ich anders zu Land dorthin gelangen; denn gleich nach den ersten Regengüssen, die meist auch die stärksten der ganzen Regenzeit sind, verwandelt sich das Land nördlich vom Viejo in einen wahren Sumpf.
Ich hatte mich jetzt nach und nach bis ziemlich zum 15. Breitengrade hinaufgearbeitet und sollte mich nun aus diesem kalten nördlichen Klima, wo man sich im Schatten bei 95° Fahrenheit erlaben durfte, wieder einem südlichern, wärmern, d. h. noch brühheißern, zuwenden. O welch' heitere Aussicht!