Bald hatte das alles aber den ersten lockenden Reiz verloren. Sie staunte nicht mehr, es war ihr bekannt, fast gewohnt. Fremd freilich blieb es ihr, so eine halbwehe Komik lag ihr darin. Heute wenigstens. Es war ihr unbehaglich. Vielleicht weil sie das einzige Mädchen auf der Bahn war.

Doch da wollte sie sich drüber wegsetzen.

Aber ewig dieses Italienisch um sie herum. Sie war ordentlich froh, wenn sie deutsch radebrechten. Sie hatte das neulich bei der Tanzmusik gar nicht so bemerkt, gar nicht gefühlt. Da war die Musik, da waren die anderen Mädchen.

»Ein schöner Italiener!« hatten die gesagt.

Und sie hatte er zum Tanz geholt. Darauf war sie stolz. Sie hatte ja auch bei der Tanzmusik bei ihm und den anderen Italienern gesessen. Aber das war ihr ganz anders vorgekommen. Dies Lärmen, dies Fluchen und Spucken, es war ihr heute rein zum Ekel.

Sie betrachtete sich ihre Freunde. Die braunen, hartknochigen Gesichter unter den großen Hüten, die schwarzen Augen. Sie hätte sich fürchten mögen. Selbst ihr Lächeln war bös, kam ihr verzerrt vor.

Ein paar Geschichten fielen ihr ein. Sie schauderte heimlich. Sie mußte an die Hübnerslies denken, die mit ihrem Kinde in den Grafenteich gegangen war. Und der Italiener war fort über alle Berge.

Und an den Rothekarl mußte sie denken, wie er tot dalag am dritten Kirchweihtag. Wegen einer Kleinigkeit hatten sie ihn erstochen. Und keiner hätte sagen können, wer's getan hatte.

Die Anna mußte an ihren Heimweg denken. Nein, nicht für alles, sie ginge allein mit denen nicht nach Hause — am Abend, die fünf Stunden Weg.

Und wie die wieder heut tranken! Auch der Fiori. Sie mußte immer mit ihm trinken.