O, wenn sie nur heraus könnte! Fortlaufen möchte sie. Beständig mußte sie an den Abend denken, an den Heimweg. Und die Hübnerslies fiel ihr ein, und der Rothekarl. O, sie hatte Angst! Eine Angst hatte sie! —
Sie betrachtete den Fiori. Er war ja schön. Diese dunklen, leuchtenden Augen! Die roten Lippen und das schwarze Schnurrbärtchen darüber.
Aber sie hatte Angst.
Ein bißchen Furcht hatte sie ja immer gehabt, wenn sie sich abends hinterm Garten trafen. Aber so noch nicht wie heute.
Hätte sie ihr Vater nicht gleich geschlagen — sie hätt' ja nicht den Kopf aufgesetzt. Aber so —
Doch jetzt wußte sie's, sie mochte doch den Fiori nicht.
Sie malte sich ihr zukünftiges Leben mit ihm aus. Er verdiente ja viel, er verbrauchte aber auch viel. Dies starke Trinken! Und den ganzen Tag sie allein, ein paar Kinder zu besorgen, und dann in der Mittagshitze hinaus auf den Arbeitsplatz, den Essenkorb in der Hand. Und immer die Angst um ihn bei der gefährlichen Arbeit! Wie oft geschah ein Unglück bei den Sprengarbeiten! —
O, dann wär' sie auch bald so alt und abgerackert wie die anderen Italienerweiber! Und schließlich ging's wo anders hin! Gott weiß wohin! Unter ganz, ganz fremde Leute! Lauter fremde Menschen! Weinen könnt' sie ihr gut Teil, das Lachen wär' ihr was Seltenes! Und die armen Würmchen, die Kinder! —
Noch nie hatte sie seither ans Heiraten gedacht, so ernstlich wenigstens noch nie.
Ach, wie war's ihr jetzt so furchtbar!