Hochsommerglück.

Da hinter den Bergen reckte sich schon der Tag. Die Sonne riß mit ihren glühenden Fingern heftig an der grauen Wolkenwand, ohne sie niederreißen zu können. Nur obenauf legte sich ein schmales, rotglänzendes Streifchen, der allererste Schimmer Morgenrot.

Es war noch sehr früh.

Im weiten Felde war es noch still. Hier und da ein leiser Vogelweckruf, kurz hervorgestoßen. Und dazwischen auch mal ein kleiner Lerchentriller. Wie zur Probe, ob's noch ginge, so kurz abgebrochen.

Nur der Kaspar und die Lene standen schon im reifen Roggenfeld. Ihr Herr, der allerfrüheste im Dorf, hatte sie schon herausgeschickt, als es noch dunkel war. Er wollte was getan haben für sein gutes Geld. Kaum die Bettruhe ließ er den Leuten.

So waren sie die einzigen im weiten Feld.

Die beiden murrten darüber nicht. Sie waren jung und schafften gern. Und übrigens waren sie das Frühaufstehen gewöhnt.

Der Kaspar trug das Frühstück und den Weinkrug tief in den Kleeacker nebenan und ging dann zur Lene zurück. Er guckte sich ein paarmal in der Runde um und sagte kurz: »'s wird heiß heut, Lene.« Dann zog er sein Wams aus, schürzte die Hemdärmel auf, schob den Hut in die Anke, und nachdem er den Wetzstein einigemal hin und her durch den feuchten Klee gestrichen hatte, wetzte er flott die Sense. Wie das in die Morgenfrühe klang! Der Kaspar hatte selbst seine Freude dran, und er schlug ein paar kurze Schläge wie einen Wirbel. —

Die Lene aber guckte ihm zu und freute sich. Ihre Augen glänzten und ihr Mund lachte. Sie hatte unterdessen ihre Jacke ausgezogen und ihr frischgewaschenes Kopftuch um den Kopf gebunden. Dann streifte sie noch ihren Oberrock ab und stand nun zur Arbeit bereit.