»Also!« kommandierte der Kaspar, und die Sense schnitt in weitem Bogen durchs Korn.
Es »schutzte« in der Frühe. Die Lene konnte kaum die Schwaden alle legen und hinter dem Kaspar her sein, so rasch ließ er die Sense fliegen.
Und so Reihe um Reihe — ein kurzes Zittern und Zucken — und die reifen Halme lagen am Boden. Und die Lene hob die Mahden mit ihrer Sichel vorsichtig auf, teilte sie gleichmäßig ab und trug sie in gleichen Abständen zu schwach gebogenen, hübsch parallelen Reihen auf. Denn man sollte sehen, wer hier gearbeitet hatte.
Wie der Kaspar so die Lene: sie waren beide tüchtig und verstanden ihre Arbeit aus dem ff. Darauf waren sie aber auch nicht wenig stolz.
Und mählich war der Tag erwacht. Im Wiesental drunten flogen die weißen Nebel scheu hin. Die Lerchen jubelten der sieghaften Sonne entgegen, die die Wolkenmauer tief weit dahinten in die Ecke geschoben hatte. Einzelne Menschen bewegten sich schon auf den Pfaden und Feldwegen, Schnitter und Schnitterinnen, Bauersleute mit Rechen und Hacken. Aber noch kein Fuhrwerk freilich.
Im Dorfe drunten läutete es jetzt zu Tag. Süßfeierlich klang die Frühglocke. Lange, lange Töne, über Tal und Hügel, sanft wie Flehen; kein hartes Rufen, weiche, in der Ferne sacht verzitternde Schwingungen.
Der Kaspar hielt plötzlich den Atem an — eben hatte er das Läuten erst gemerkt.
»Lene, der Tag läut' an!« sagte er, stellte die Sense auf und nahm den Hut ab. Er faltete die Hände. Und auch die Lene, die Sichel in der Hand behaltend, schlug, so gut's ihr gelingen wollte, die Finger ineinander.
Und ein paar Augenblicke Stille und Ausruhen. Die beiden sahen zu Boden und bewegten die Lippen. Um sie und über ihnen die verzitternden Glockenklänge, auf ihrer Stirn der sanfte Glanz der Morgensonne. Ein Moment des Friedens und der Andacht.
Wo sich's anderen von der Brust gelöst hätte, einer schweren Last frei, in einem hellen Jubel — ein Umfangen mit brünstigen Armen, ein Einsaugen in gierigen Zügen, da hatten sie nur ein mechanisches Murmeln, ihnen seltsam dünkender, tiefer Worte. Und doch fühlten sie etwas von der großen, heiligen Schönheit, ein Etwas, das sie bezwang und erhob und sich in sie ergoß, so klar und mild und rein, daß ein Glanz sie erfüllte und ein wunschloser Friede, dem sie Ausdruck gaben in ihrem unverstandenen Gebet, weil sie nicht eigne Worte hatten.