»Ich jammer nur nit, weiter gar nix. Wer anders besser zu seinem Teil kommt, meinetwegen. Ich mach's auf meine Art. Fertig!«

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Es war wieder Sonntag. Wieder hatte er mit dem dicken Nebel begonnen, der wie lauter graue Wolle war. Aber es schien, die Sonne könnte ihn heute packen. Sie hing schon den ganzen Morgen als blasse Scheibe am Himmel, und man sah sie von früh an ihren stillen Weg gehen, wenn sie auch verborgen war. Da es gegen Mittag ging, hatte sie richtig den Sieg davongetragen. Sie glänzte im Blauen, daß man ihr nicht ins Antlitz sehen konnte. Und die ganzen Wiesen glitzerten, und an den Gerten der Weiden glitzerte es.

Die Eve spülte das Eßgeschirr und sah von Zeit zu Zeit an dem Küchenfenster vor ihr hinaus übers Land. Es war ihr ganz seltsam zumute. Gerade als ob sie etwas erwarte. Als wenn draußen ein Wind stehe, fest in die Weiden und Pappeln am Bach gekeilt und jeden Augenblick sich losmachen könnte und heranbrausen. Aber nein, das war es gar nicht. Gar nichts Brausendes. Etwas Stilles und Sanftes. Als wenn jeden Augenblick die Glocken vom Dorf herüberklingen müßten. Oder als ob ein Festzug den Weg herkommen müßte, jetzt oben um die Ecke herum und dann die Wegbiegung lang und weiter her nach der Mühle zu. Der Eve schienen die Wege so leer heute. Gerade als verlangten sie es, daß etwas auf ihnen vorgehe, daß über sie geschritten werde. Ach, sie war ja dumm. Nichts war natürlich von all dem, es war einfach Sonntag, und die Sonne schien, die Wiesen glitzerten, und der Himmel hatte so ein tiefes Blau, besonders wenn man zwischen den Bäumen durchsah, so blau, wie wenn eine Waschfrau zu viel Bläue in die Bütte tut. Das war es einfach, und da juckte es ihr in den Kleidern, als stecke sie in einem rauhen Bockfell drin.

Die Eva spülte weiter. Aber die Augen gingen ihr doch immer wieder hoch durch das Fenster hinaus und zogen die Wege hin, die zwischen den Wiesen sich krümmten und sich oben im grauen Feld, das stellenweise von der Feuchtigkeit ganz tiefbraun war, verloren. Sie unterbrach ihre Arbeit nicht, aber ihre Gedanken waren nicht dabei.

Und immer wieder sah sie nach den drei Mühlen, die ganz hellklar in der Sonne lagen, während die ihre abseits im Dämmer und in der schlummerigen Feuchte träumte.

Die Eltern saßen drin in der Stube und erzählten sich, was sie auf dem Kirchgang des Morgens im Dorf alles gehört hatten. Der Vater trommelte dazu auf der Fensterbank und trat den Takt mit dem Fuße, und die weiß und rot gefleckte Katze schnurrte hinterm Ofen. Die Mühle lief. Aber sie lief leer, und der Müller hatte heute keine Lust, aufzuschütten.

»Der Jerrisepp ist heut so scheu an uns vorbeigegangen,« sagte die Mutter.

»So, scheu? Hast du das gemerkt? Na, ich kann nit wissen, was er hat. Und wenn er was hat, kann er's doch sagen. Wir haben uns nie was nachgetragen, wir vier Müller, und hatten auch nie keinen Futterneid.«

»Es heißt, er soll sich verheiraten wollen. Wenigstens sagen's die Leute.«