»Ich hab' sogar noch weiter gedacht. Ich seh' ein, daß die Müllerei muß zugrunde gehen, wenn sie nit ein bißchen aufgeholfen kriegt. Durch die Müller mein' ich. Die alten Einrichtungen taugen nit mehr. Ich hab' mir Bücher angeschafft, die fürs neue sind. »Der praktische Mühlenbauer«, »Unsere Mühleneinrichtungen«, »Dampf– und Wassermühlen«, und noch so ein paar. Man kann ja nit alles brauchen, was da grad drinsteht, aber manches ist doch richtig und gut. Ich will jetzt die Sach' anders einrichten. Zuerst mal das Wasser besser ausnutzen. Das geht ja so nit mehr. Alle paar Tag' verschlammt, und wann am meisten zu mahlen ist, am wenigsten Wasser. Alleweil drückt sich's nit so mit der Arbeit, da kriegt man eher jemand und braucht auch die höchste Löhn' nit zu bezahlen. Ich hab' mir drum für morgen fünf, sechs Mann bestellt, ich heb die Bach vor der Mühl' aus, faß das Wasser enger und leit's hoch und mach mein Rad oberschlächtig.«
»Was tausend!« knurrte der Müller.
»Dann rechne ich, geht's wieder zehn, fünfzehn Jahre. Und gehts dann nit mehr und man erlebt's noch, so kost's halt eine Dampfmaschine.«
»Jerrisepp,« fuhr es der Müllerin heraus, »daß du dann so einen hohen Schornstein bauen müßt?«
»Gewiß, Nachbar'n, man muß mit der Zeit gehn. Wer das richtig tut, wird nix dabei verlier'n, aber zugucken, wie's dort weitergeht und doch still sitzenbleiben auf sei'm alten Fleckelchen, das führt zu nix. Ja, und was ich sagen wollt, Nachbar, mit dem Wasser das, Ihr müßt auch dabei was tun. Ich kann dann mit wenig Wasser mahlen, aber bei dem schlechten Zustand von der Bach wird's bei Euch dann erst recht hapern. 's ist halt alles verschlammt, und Euer Gefäll ist so gut wie keins. Die Hauptkraft nehm' ich dann weg, wie gesagt, weil das Wasser dann kein' Gewalt von oben mehr für Euch hat.«
»Ich hab' aber das Wassergerecht schon von alten Zeiten her,« protestierte hier der Müller.
»Ganz recht, Nachbar, das Wassergerecht wird Euch auch nit genommen, nur das Wasser wird seine Kraft verlieren. Und unser Mühl' ist auch nit jünger wie Eure. Bloß hab' ich den Vorteil, daß ich oben lieg und Ihr unten, und daß ich also vor Euch das Wasser hab'.«
Der Alte sah, daß ihn der Jerrisepp festhatte. Und der Jerrisepp sah, daß sich das Blättchen gewendet hatte. Nun galt's, den Vorteil ausnützen. Der Alte brummelte etwas vor sich hin, das der Jerrisepp nicht verstand.
»Es ist ja vorauszusehen, Nachbar, und darüber muß man sich klar sein, wenn ich mein' Betrieb in die Höhe bring, geht Eurer herunter. Das liegt auf der Hand. Weismachen wollen wir uns nix. Was ist, das ist. Aber ich hab' mir gedacht, da wär' doch abzuhelfen. Ich denk' immer bloß nit von heut auf morgen, auch auf übermorgen. Und da hab' ich gemeint, Ihr macht einfach ganz zu, Nachbar!«
Der Müller fuhr auf. Und die Müllerin gab der Katze einen Tritt.