Aber der Prinz hatte in allem Schmerz die bittere Empfindung, daß ihn vor Jahresfrist der Tod des Doktors tiefer, unendlich tiefer erschüttert haben würde. Hätte sie beide das Leben noch einmal zusammengeführt, sie würden sich nicht mehr verstanden haben. Er fühlte das deutlich. Es war ihm, als sei jemand gestorben, den er einmal sehr gern gehabt hatte, der ihm aber so fern gerückt war, daß er ihn auch als Lebenden schwerlich je wiedergefunden hätte.
Im Auftrage Seiner Durchlaucht des Erbprinzen übermittelte das Hofmarschallamt dem Corps »Saxonia« zu Heidelberg einen Kranz mit der Bitte, diesen Kranz auf dem Grabe des Herrn Regierungsrats niederzulegen.
Im Auftrage Seiner Durchlaucht des Erbprinzen ließ das Hofmarschallamt das Grab mit einem Denkstein versehen, dessen Inschrift lautete: »Seinem Freund und Lehrer in dankbarer Erinnerung Karl Heinrich, Prinz von Karlburg.« – –
Und Käthie?
Ja Käthie.
Wo mochte Käthie sein? – Er hatte kein Bild von ihr, die kleine Photographie, die sie ihm einmal geschenkt hatte, war in den aus Heidelberg nachgesendeten Koffern nicht zu finden gewesen, aber dieses Bild war in sein Herz gegraben. Käthie!
Verloren wie die andern …
In goldenem Rahmen stand auf des Prinzen Schreibtisch das Bild der jungen sächsischen Prinzeß, seiner Cousine, deren Verlobung mit Karl Heinrich herbeizuführen während dieser Monate die letzte Sorge des sterbenden Fürsten gewesen war. Das Bild zeigte ein feines Gesicht mit lebhaften Augen, eine schlanke, pompöse Figur.
Karl Heinrich hatte nicht »Nein« gesagt, und die schöne Prinzeß war nicht unzufrieden. Sie war ein Jahr älter als der künftige Fürst, als Kinder hatten sie einmal zusammen gespielt, sie hatten keinen Grund, einander abgeneigt zu sein, und die Heirat würde der Staatsraison ebensogut entsprechen wie den Wünschen der Familien.
Natürlich war in dieser Trauerzeit an die Hochzeit noch nicht zu denken.