Käthie! … Käthie!
Siebentes Kapitel.
In der alten Fürstengruft zu Marienburg war der Fürst zur letzten Ruhe gebracht, und zu Karlburg im Schlosse war Karl Heinrich der Herr.
Aber die düstere Stimmung, die langes Siechtum und endlich der Tod über Land, Stadt und Schloß gebreitet hatten, wich auch jetzt nicht. Monate vergingen und neue Monate, immer noch lag über Hof und Schloß dumpfe Stille.
»Seine Durchlaucht trauert,« sagten die Leute, aber sie glaubten selbst nicht recht an diese matte Entschuldigung.
Was hatte man nicht alles von dem jungen – fast allzu jungen – Fürsten erwartet! Lustige Feste, Heiterkeit, einen frischen Zug, der in das verschlafene Hofleben und in die Residenzstadt endlich einmal fröhliche Stimmung bringen sollte. Fremde Fürstenbesuche, Bälle, Hofjagden, einen Ball der Bürgerschaft in den neuen Rathaussälen, vielleicht eine Förderung des Theaters, in jedem Fall aber ein freundliches Gesicht, Teilnahme für die Wünsche der Stadt und des Landes.
Welch hübscher junger Prinz war dieser Karl Heinrich gewesen, offen, liebenswürdig! Freilich hatte er als Kind schon im Verkehr mit Fremden eine Zurückhaltung stets gezeigt, eine leichte Unbeholfenheit und Menschenscheu, aber er war damals eben ein Kind.
Wenn jetzt Seine Durchlaucht durch Karlburg fuhr, so lehnte er in seinem Wagen neben dem Adjutanten und erwiderte die Grüße kalt, gleichgültig. Die Deputationen der Städte empfing er in großer Audienz, ohne auf deren Ansprachen mehr als kurze Antworten zu finden. Der alte Fürst war in den letzten Jahrzehnten eisig, abweisend, hochfahrend gewesen, der junge Fürst schien alles in verstärktem Maße zu sein.