»Wenn er verheiratet ist,« trösteten sich die Kammerherren und Hofleute, »wird er anders werden,« und dieser schwache Glaube fand in der Bürgerschaft Widerhall: »Wenn er nur erst verheiratet ist.«
Die Hochzeit war auf den 30. Mai festgesetzt, am 4. Juni würden die fürstlichen Herrschaften in Karlburg Einzug halten.
Am 5. Juni Fackelzug der Bürgerschaft, am 6. Juni erstes großes Hoffest im Schlosse, drei weitere Tage hindurch Empfänge, Audienzen, Feste aller Art. In dem Hofmarschallamt wurde Tag und Nacht gearbeitet, in Schloß und Stadt herrschte ein fieberhafter Eifer, alles vorzubereiten und in stand zu setzen, der einzige, der seine kalte Ruhe bewahrte, war der, für den alles dies geschah.
»Der Mensch, Eure Excellenz, heißt Kellermann.«
Da ereignete sich – zwölf Tage vor dem Termin der Hochzeit – etwas Seltsames, das, ohne später irgendwie besondere Folgen nach sich zu ziehen, einige Tage lang alle Gemüter in Aufregung hielt.
Ein eigentümlicher Mensch in uraltem Frack und gleichem Cylinder wurde durch Lakaien dem dienstthuenden Kammerherrn und durch diesen Seiner Excellenz dem Hofmarschall zugeführt. Er hatte in ziemlich unzeremonieller Weise im Schlosse Eingang zu gewinnen versucht und beteuerte, Seine Durchlaucht sprechen zu müssen.
»Der Mensch, Eure Excellenz,« erklärte der Kammerherr, »heißt Kellermann und stammt aus Heidelberg. Er behauptet, bei Seiner Durchlaucht ein Anliegen zu haben, dessen Erfüllung ihm Durchlaucht damals in Heidelberg fest zugesagt habe.«
Seine Excellenz der Hofmarschall, überarbeitet und nervös, befahl, das Subjekt fortzuschicken, respektive das Subjekt auf den Weg einer schriftlichen Eingabe zu verweisen, aber irgend eine Ahnung sagte dem Kammerherrn, daß Seine Durchlaucht eventuell geneigt sein werde, nicht des Subjektes wegen, sondern seiner selbst wegen den Menschen anzuhören. Und so geruhte der Kavalier, bei der Mittagstafel Seiner Durchlaucht von dem Subjekt zu erzählen.
»Kellermann?«