Aber dieses Erzählen ging schwer von statten. Aus freien Stücken berichtete Herr Kellermann nichts, er verlangte, daß man ihn fragte, daß man jede Frage genau präzisierte und erst nach der Beantwortung an die Erledigung eines neuen Themas ging. Er war wie eine alte Chronik, aus der man sich durch mühsames Zusammensuchen belehrt, aber eines hatte er vor diesen alten Chronikbüchern voraus: er war zuverlässiger und blieb keine Antwort schuldig.
Ja, Herr Bilz war noch bei »Saxonia« aktiv, auch der kleine Hammerschmidt, der zu Ostern durchs Examen gefallen war, auch Herr von Bansin, der in Heidelberg der beste S. C.-Fechter geworden war und dieser Kunst zuliebe seinen Aufenthalt auf deutschen Universitäten beständig verlängerte; aber alle die andern waren fort, die meisten schon lange.
»Ernst von Heidenreich?«
»Nach Berlin.«
»Franzius?«
»Nach Berlin.«
»Und der dicke Kurt Engelbrecht?«
Herr Kellermann zog ein ernstes Gesicht und sagte mit gedämpfter Stimme:
»Nach drüben, nach Amerika.«
Also nur drei waren noch in Heidelberg. Drei letzte von der lustigen Schar, die damals nie an die Zukunft gedacht hatte, die hingelebt hatte, als ob sie ewig beisammen bleiben würde. Zerstoben in alle Winde.