Sie hatten doch manche freundliche Stunde zusammen verlebt. – Schon damals in Karlburg, als der pflichtvergessene Doktor ihm Zigaretten gab, die sie oben im Turmzimmer rauchten. – Er lächelte. – Und dann in Heidelberg! Er blickte sich um nach dem Schloß, das aus seinem Waldgrün rotleuchtend herüberfunkelte. Mein Gott, welch ein toller Kerl war dieser Doktor gewesen! Wenn er da oben auf dem Schloß Handharmonika spielte, daß alle Engländer und Engländerinnen stehen blieben und ihre steif-britischen Gesichter zum Lachen verzogen.
»Prost, Karl Heinz! Sollst leben!« Des Doktors ewiger Trinkspruch.
Der Fürst neigte sich vor über das verwilderte Grab: »Armer Doktor!«
Länger als eine halbe Stunde arbeitete er daran.
Er nahm die vermoderten Kränze und legte sie außerhalb des Gitters zusammen. Das Unkraut, das zwischen Grab und Gitter fußhoch wilderte, riß er mit beiden Händen aus dem Boden und warf es zu den Kränzen. Länger als eine halbe Stunde arbeitete er daran, die dünnen, schmalen Wege rechts und links und vor dem Grabe innerhalb der Einfriedigung zu säubern.
Als er fertig war, atmete er tief auf. Wie viel freundlicher und heller das jetzt aussah! Die beschmutzten Handschuhe zog er ab und wollte sie zu den Kränzen und dem Unkraut werfen, aber er faltete sie nur zusammen und schob sie in die Tasche.
Als er eine halbe Stunde später den Kirchhof verließ, war ihm leichter zu Mute. Und wenn diese ganze Heidelberger Reise von gestern und heute keinen Zweck gehabt hatte, so war sie doch nicht verloren. Diese Stunde an des Doktors Grabe war die Reise schon wert.
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Die Unterhaltung bei der Tafel wollte nicht recht in Fluß kommen, aber die Schuld lag nicht an dem Gastgeber.