Käthie half, während Herr Rüder mit prüfendem Blick umherging und sich die Miene gab, als sei er die Seele des Geschäfts. Er trank mit den Corpsdienern kleine Schnäpse und gab ihnen mißfarbene Zigarren von der Sorte, die er von sechs Uhr früh bis zwölf Uhr nachts rauchte. Hätte man aus den von Herrn Rüder in Jahresfrist verdampften Zigarren eine lange Stange gebildet, so würde dieselbe nahezu einen Kilometer Ausdehnung erreicht haben; in die Höhe gerichtet, hätte diese Tabakstange die höchsten Berge des Odenwalds überragt.
Um halb vier erschienen die Musici, um das ihnen zustehende Faß Bier an den rechten Platz zu schaffen und dasselbe in Muße anzustechen; dann wurden von den vier Frauen, den sechs Corpsdienern, den fünf Musici und Käthie die Lampions an den Bäumen aufgehängt, Herr Rüder inspizierte noch einmal die Küche, Käthie band eine neue, schneeweiße Schürze um, und als nun so alles für den Empfang vorbereitet war, spielte die Musik Tusch, denn Punkt vier betrat »Vandalia« – acht Burschen und zwölf Füchse – den Garten.
»Holla, Käthie!«
»Wie geht’s?«
Sie war sofort von zwanzig Rotmützen umringt, die ihr die Hände schüttelten und lachend auf sie einredeten. Während Herr Rüder, der Onkel, und die vier Tanten sich respektvoll im Hintergrund hielten, die Musici »Was kommt dort von der Höh’?« spielten und die sechs Corpsdiener mit ruhiger Höflichkeit Posto faßten, stand Käthie wie eine kleine Königin in ihrem Kreise.
Ein dicker junger Herr, dessen Backen ganz mit Watte und schwarzen Binden verpackt waren, fand ihre besondere Teilnahme.
»Armes Tschaperl, haben s’ dich wieder abgestochen? Nein, bist du auch halt ungeschickt!« Sie nahm seinen dicken Kopf, den er willig herlieh, in ihre Hände und betrachtete die Verpolsterung. »Geh, so was!«
Aber »Vandalia« behielt die hübsche Käthie nur eine kurze Weile in ihrem Kreise, denn wieder blies die Musik Tusch, und »Saxo-Borussia« erschien auf dem Plan, die es nun ihrerseits als ihr gutes Recht beanspruchte, Käthie die Hände zu schütteln. Und auf »Saxo-Borussia« folgte »Suevia«, auf »Suevia« »Rhenania«, auf »Rhenania« »Guestphalia«; die Musici hatten kaum Zeit, zwischen allen Tuschs in Eile einen Schluck Bier zu trinken; große und kleine Hunde kläfften, der ganze Garten wimmelte von roten Mützen und blauen, grünen und gelben, und allenthalben sah man das lachende Gesicht der Kleinen, die immerfort noch Hände zu schütteln hatte, mit jedem ein Wort tauschen sollte, jeden kannte und jeden mit Namen nannte.
Dieses eine junge Ding, das von hundert jungen Studenten gefeiert wurde, allein zwischen den hundert hin und her schritt, alle duzte und von allen geduzt wurde – das war wirklich ein seltsamer Anblick. Eine sonnige Unbefangenheit lachte aus ihren hellen Augen, sie nahm die Huldigungen entgegen wie etwas ganz Selbstverständliches.