Als es vier Uhr schlug, war Lutz ein kranker Mann. Er saß mit blassem Gesicht ohne Ausdruck, die dünnen Lippen etwas zitternd, das Hirn ganz leer. Er konnte nichts mehr denken, was er in dieser Nacht nicht schon gedacht hatte; er wußte nur eins: daß nie ein Mann seiner Stellung in so nichtswürdiger Weise zu Boden gedrückt war.

Er sah, wie auf dem schwarzen Dache der Kirche sich die ersten grauen Töne des herandämmernden Morgens malten, bis sie heller wurden, weiß, dann alles ein einziger heller Sonnenschein. Draußen piepsten die Spatzen, der Morgen war da.

»Lutz! He, Lutz!«

Er fuhr auf, irgend jemand hatte ihn an der Schulter gerüttelt, er hatte geschlafen und rieb sich nun, noch ohne rechte Besinnung, die Augen.

»Das ist recht, Lutz, daß Sie geschlafen haben,« sagte der Prinz, »das freut mich. Es ist etwas spät geworden oder vielmehr etwas früh.« Und zu einer Anzahl Menschen, die das Zimmer füllten, sagte er: »Das ist nämlich Lutz, mein treuer Kammerdiener; ich stelle ihn hiermit euch feierlich vor.«

Lutz war gewiß ein Mann, der das »Sichwundern« in einem bewegten Hofleben längst verlernt hatte, aber momentan fand er sich mit seinen übermüdeten, bleischweren Augen nicht zurecht. Auf allen Stühlen, Sesseln, Sofas, auf dem Tisch, auf dem Klavier, auf der Fensterbank saßen Menschen, Kerls mit Studentenmützen und bunten Bändern. Irgend einer spielte auf dem Klavier das Lied von Madame Angot – wie Lutz nach einiger Zeit konstatierte, war es der Regierungsrat –, drei kolossale Köter strichen um Lutzens Beine und beschnüffelten ihn, alles lachte, lärmte, rauchte, und inmitten dieser Räuberbande stand das junge Frauenzimmer von drüben und fragte: »Also siebzehn Tassen Kaffee! Zählt mal.«

Irgend einer spielte auf dem Klavier das Lied von Madame Angot.

Karl Heinrich zählte: »Siebzehn, stimmt. Lutz, gehen Sie, bitte, mit in die Küche, damit die Sache rasch geht.«

Und Lutz ging.