„Die sitzen ganz still auf der Bank vor der Försterei. Sie haben sich ja wohl gottlob ganz gut in das Geschick gefunden. Sein Alter hatte der alte Herr, vor Krankheit hat er immer sein Grauen gehabt und seinen Spaß darüber gemacht. Hier im Dorfe bei uns ist niemand, der ihm nicht das Beste wünscht, und solange man denken kann, kann man Werden nicht ohne ihn sich denken. Auf dem Wege zu seinem Unfall ist er mir heute morgen noch begegnet. Das mußte ja wohl so sein sollen, denn er hatte es kurios eilig und war doch sonst ein recht ruhiger, langsamer und sedater Herr. Gehen Sie nur ruhig hin! Das Unwetter hat Sie wohl ein bißchen unterwegs aufgehalten? Es ist aber wirklich recht angenehm danach geworden. Sie haben Ihr Heu wohl auch schon trocken herein auf dem Steinhofe, Herr Just?“

Wir blieben dieser Unterhaltung wegen nicht stehen, und so kamen wir zu dem Försterhause und fanden, wie die Leute es uns berichtet hatten, Bruder und Schwester auf der Bank vor der Haustür im dämmerigen Ulmenschatten beieinander sitzend. Hinter ihnen standen die Stubenfenster wie immer weit offen und ließen den Regenduft und die Frische des nahenden Abends frei ein; der alte Herr aber saß nicht mehr am Fenster, sondern lag ausgestreckt, „ruhig und sedate“ auf seinem Lager. Auch alle Türen standen in gewohnter Weise geöffnet; die Hunde des alten Herrn lagen zu den Füßen des Geschwisterpaares, und nur von Zeit zu Zeit stand einer von ihnen auf, ging hinein und legte den Kopf auf das so schnell dort bereitete Bett und kam wieder heraus und legte den Kopf auf Evas Knie und sah wie fragend sie an.

Das schreibe ich aber hier, weil es den ganzen Abend so blieb, nachdem wir uns zu den Geschwistern gesetzt hatten.

Als wir in das Hoftor traten, schlug einer der Hunde leise an. Ewald und Eva standen auf, und der Ingenieur aus Irland legte die Hand auf die Fensterbrüstung hinter sich, wie um sich zu halten. Doch Irene verließ den Arm des Vetters Just, ging rasch hin und hielt die Jugendfreundin im Arm und küßte sie und sagte:

„Da bin ich… Nun sei nur still… Du sollst mir alles erzählen!“

Eva Sixtus weinte heftig, und Ewald gab uns Männern stumm die Hand.

„Er sieht aus, als ob er schliefe!… O, er sieht zu gut und schön aus für den Tod!“ schluchzte Eva; und dann gingen wir alle, von den Hunden begleitet, in die Stube, und er sah freilich schön und gut aus in seinem weißen Haar, und gottlob nicht anders, als ob er schliefe!…

„O Just, o lieber Just!“ schluchzte Eva Sixtus, und nun war sie mit ihm und war bei ihm gut aufgehoben in diesen tränenreichen Stunden und Tagen. Sie konnte auch das Haus verlassen, in welchem sie geboren worden war.

Sechzehntes Kapitel.

Und Ewald und Irene? Was sagten und taten die denn? Das ward nun eine Nacht, in der viele Geister umgingen in Werden — Schloß und Dorf; doch über miracula et portenta, von großen Wundern und „Wunderzeychen“ am Himmel und auf Erden und auch in den Herzen der Menschen habe ich nicht das geringste zu berichten.