Jene beiden Leute begrüßten sich zuerst, wie es sich nach der langen Trennung und bei der ersten Gelegenheit schickte, ernst und freundlich. Zu dem, was die Welt eine Auseinandersetzung nennt, kam es fürs erste noch nicht, denn teilnehmende Nachbarn sprachen immer noch ab und zu vor, und auch der jetzige Pastor des Ortes kam noch einmal und saß eine geraume Weile. Er beging vielleicht die einzige Indiskretion an diesem Abend, indem er den irischen Ingenieur recht lobte und seine Heimkehr „so gerade zur rechten Zeit leider!“ mit allen ihren Umständen als etwas sehr Löbliches und Verdienstliches pries, und sich dabei stets mit seiner Rede an die Frau Irene wendete.

Doch lauter als der beste Redner in der Welt gab der stille alte Herr hinter uns in der Stube mit den offenen Fenstern sein stummes Wort darein und half uns auch hierüber hinweg.

Auf den Spielplätzen des Dorfes verklang allgemach der Lärm der Dorfkinder. Es wurde Nacht, und auch der gutmütige, wohlmeinende geistliche Herr ging nach Hause, höflich von dem Vetter Just bis zum Hoftor begleitet.

„Wir haben uns lange nicht gesehen, liebe Irene,“ sagte jetzt der Irländer leise; doch die Frau antwortete mit merkwürdig fester und klarer Stimme:

„Ja, lieber Ewald; es ist sehr lange her, und nun führt uns eine so traurige Gelegenheit wieder zusammen! Dir ist es aber gottlob gut ergangen auf deinem Lebenswege, du hast vieles ausgerichtet; ich habe den Vetter Just und hier den Doktor Fritz gern davon erzählen hören —“

Hier räusperte sich der Vetter Just ziemlich vernehmlich und brummte:

„Hm, hm, hm.“

„Mein Bruder —“ wollte Eva einfallen, doch ich faßte rasch nach ihrer Hand, und die Frau Irene fuhr fort, und der energische Wille, sich nichts vergeben zu haben, kämpfte bedenklich mit noch unterdrückten Tränen:

„Du hattest es aber auch viel leichter in der Welt als ich.“

„Ja, liebe Irene!“ sagte der Freund. „Ich weiß das nur zu genau. Ja, ich habe es leicht gehabt und viel Glück!“ — Seine Stimme aber wurde rauh und hart, als er hinzufügte: „Ich habe jahrelang keine Zeit gehabt, an meines Vaters Haus zu denken, um dir das deinige wiederzugewinnen!“