„Ach, verstellen Sie sich nur nicht, Vetter! Bitte, sehen Sie nicht so dumm aus! Damit machen Sie anderen Leuten was weiß, aber uns nicht. Sie studieren sich immer weiter hinein, bis zum Klügsten von uns allen, und das sind Sie auch von Natur schon lange; und nun werden Sie nur nicht rot, denn das nützt Ihnen noch viel weniger als das Dummaussehen. Sie studieren ja alles rundum verrückt, sagt Jule Grote; — sich selber — sie — den ganzen Steinhof. Und wo das enden will, weiß sie nicht, sagt sie.“

„Es ist auch nur Ewalds Neid, weil er für das, was einem anderen soviel Vergnügen macht, soviel Prügel von seinen Herrn Lehrern gekriegt hat,“ meint Evchen Sixtus schüchtern, und: „Unsinniges Volk!“ klingt es von dem Stachelbeerbusch faul und schlaftrunken her.

„Ja, es ist ein Spaß!“ sagt der lange, im nächsten Jahre mündige Vetter Just Everstein und verzieht den Mund wie ein ausgelachtes Kind, und — heute weiß ich genauer als damals, was das Auslachen und Ausgelachtwerden unter den Menschen bedeutet seit den Tagen des Urvaters Noah. Ich lache viel seltener als damals aus eigenem Antrieb, und noch viel seltener lache ich mit.

Damals lachte ich mit, und zwar in die grinsende Bemerkung von dem Stachelbeerbusche her:

„Hu, der alte Broeder! Schlag ihn doch mit unserem Zumpt auf den Kopf, Fritze! Uh; na, mein Junge soll’s besser haben als ich.“

Wir achten, was unsere Unterhaltung unter dem Kirschbaum anbetrifft, von jetzt an nicht im mindesten mehr auf die Stimme vom Stachelbeerbusch her.

„Es ist die lateinische Grammatik gar nicht,“ stottert der Vetter.

„Sondern deines Großvaters ganzer Bücherschrank, den du mit dem Steinhofe von deinem Vater geerbt hast, Just. Funkes Naturgeschichte, Blanks Geographie, der ganze Schiller, Goethes Götz von Berlichingen und Werthers Leiden, Engels Philosoph für die Welt, Nathan der Weise, Minna von Barnhelm, Emilia Galotti, das Mildheimische Not- und Hülfsbuch, das Mildheimische Liederbuch, Beckers Weltgeschichte und die Geschichte von dem Schweizer Schullehrer Pestalozzi —“

„Hat der Kerl auch ein Buch geschrieben?“ fragt der Stachelbeerbusch. „Bis jetzt habe ich gemeint, daß der nur den General Wallenstein nicht mit ermordet hat.“

„Ach, das war ja ein ganz anderer!“ ruft Eva Sixtus noch einmal gutmütig, und: