Ich weiß, obgleich ich selber nichts weiter als ein „dummer Junge“ bin, womit ich dem alten wundervollen Jungen in diesem Raume zu Gefallen sein kann, wie niemand sonst in der Welt. Und die Luft in diesen engen vier Wänden muß von sonderbaren Sporen und Keimen erfüllt sein: Dschinnistan ist für uns beide da; die träge Verdauungsstunde unter den Bäumen des Grasgartens, aus dem wir eben die Treppe heraufgekommen sind, ist wie in ein fern vergangenes Jahrhundert entrückt. Ich sitze auf dem Bette des Vetters, und er hält mir das brennende Schwefelholz an den dargebotenen Glimmstengel und flüstert glänzenden Auges:
„Langreuter, ich habe ihn heraus!“
Es ist ein süßes Blatt, das ich da verqualme; aber ins Husten gerate ich doch darüber und zwischen dem Husten frage ich:
Ein Schlag auf die Schulter wirft mich zurück auf den Strohsack und mit dem Hinterkopf an die Wand.
„Den Magister matheseos!… Es ist, weiß Gott, richtig! Das Quadrat der Hypotenuse ist wahrhaftig so groß wie die Summe der Quadrate der beiden Katheten am rechtwinkeligen Dreieck!“
Ich reibe mir wohl den Hinterkopf ein wenig; aber so betäubt haben mich der körperliche Puff und die geistige Überraschung doch nicht, daß ich nicht mit Herz und Seele, mit Armen und Beinen und vor allem mit einem Hurra aus gesunder Lunge an der wissenschaftlichen Errungenschaft des Vetters teilnehmen könnte.
„Das ist famos! das ist brillant! Just, das ist großartig!… Und ganz allein aus dir selber; — das ist riesig —“
„Ich habe dich auch bloß dazu mit hier heraufgenommen. Jetzt brauchst du nur noch zu brüllen: das ist borstig! das ist haarig! — und wir können wieder zu Ewald und den Mädchen in den Garten hinuntergehen, Fritz!“
Es kommt einem gewöhnlich erst lange, nachdem man alle seine Examina hinter sich hat, wie schwer es ist, mit den wirklichen großen Herren aus Dschinnistan umzugehen, und — den meisten kommt es gar nicht. Die lobwürdigsten Examina in sämtlichen Brotfächern tun da nicht das geringste zur Sache. Mit wahrer Subtilität will nur immer das behandelt sein, was hinter dem berühmten Kanzler Oxenstierna steckt, nicht der wenige Verstand in ihm — nach seinem eigenen Wort —, der dazu gehört, um die Welt militärisch und ziviliter zu verwalten.