Wieder streckte der Henker die Hand nach ihm aus; er hielt ein Blech, auf welchem die Worte standen „Meutmacher und Meineidiger“ und wollte es dem Verurteilten an einem Bande um den Hals werfen.
„Lebe wohl, süße Anneke Mey!“ flüsterte Christoph von Denow; er schlug die Hand des Henkers abermals zur Seite, klirrend fiel das Blech, die Leiter nieder, zur Erde. —
Mit einem wilden, entsetzlichen Schrei sprang Erdwin Wüstemann einen Schritt zurück, mit einem Griff riß er das Feuerrohr aus den Händen Arendt Jungbluths und an seine Wange. Der Schuß krachte — „Gnade Gott mir und dir!“
„Dank, Erdwin — hast — Wort gehalten!“ sprach Christoph von Denow. Er schwankte — breitete die Arme aus: „Lebe — wohl — süße — Anneke!“ Der entsetzte Henker wollte ihn halten, aber im dumpfen Fall stürzte der Körper die Leiter herab in den blutigen Schnee.
Aufbrüllte die Menge und tobte durcheinander, der Ring löste sich — die Offiziere, die Beamten, der Gewaltiger stürzten sich auf den Knecht Erdwin, welcher regungslos dastand, das abgeschossene Rohr in der Hand.
Und jetzt ein neues Geschrei von der Stadt her: „Haltet, haltet!“
Ein Reiter mit einem Papier in der Hand, im Galopp ansprengend! Ihm nach ein zweiter Reiter, vor sich auf dem Pferd ein halbohnmächtiges, todtbleiches Mädchen. —
„Halt, halt! Befehl, den Verurteilten Christoph von Denow zurückzuführen ins Gewahrsam!“
Anneke Mey leblos auf dem leblosen Körper des Erschossenen — Erdwin Wüstemann besinnungslos in den Armen Arendt Jungbluths — — — Trompetenschall von der Torwache; von der Stadt her eine neue Reiterschar: „Der Herzog! der Herzog! — Zu spät! zu spät!“ — — — — — —
In dem wiedergebildeten Ring hielt der junge Fürst mit seinem Gefolge; vor ihm stand barhäuptig der Profoß neben der schrecklichen Gruppe am Boden und erzählte das Vorgefallene. Als er geendet, stieg der junge Fürst ab von seinem Hengst und näherte sich dem treuen Knecht des Hauses Denow: