Jawohl, etwas anderes war es, eine Nacht obdachlos am Strande des tyrrhenischen Meeres, ein anderes, eine Nacht obdachlos am Ufer der Seine zuzubringen. Eine Art stumpfsinniger Schlaftrunkenheit überkam den jungen Italiener, seine Augen schlossen sich unwillkürlich, und immer dumpfer und verworrener vernahm er das Schluchzen der Mademoiselle Bullot und die kreischende Stimme des zornigen Vaters.
Aber was war das? Plötzlich schwand jedes Zeichen von Ermüdung, von Erschöpfung an dem Italiener. Vorgebeugt saß er auf seinem Stuhle und horchte mit der gespanntesten Aufmerksamkeit nach der Tür hin, welche in das Hinterzimmer führte. Das Wechselgespräch zwischen Vater und Tochter war dem Fremden auf einmal interessant geworden durch einen Namen, der soeben mehrere Male darin vorgekommen war.
Immer gespannter horchte Vinacche.
Hatte nicht Meister Claude Bullot, ehe ihm Monseigneur der Herzog von Chaulnes die Kneipe zum Dauphinswappen einrichtete, als Seifensieder Bankerott gemacht?
War nicht Mademoiselle Bullot ein reizendes Schätzchen, dem man schon etwas zu Gefallen tun konnte?
Hoch spitzte Stefano Vinacche die Ohren beim Namen des Herzogs von Chaulnes.
„Oho, Stefano, solltest du da unvermutet in den Honigtopf gefallen sein? Oho, Glück geht immer über Verstand, — va’ piu un’ oncia di fortuna, che una libra di sapere. Achtung, Achtung, Vinacche!“
Mancherlei sprach der Vater im Hinterzimmer der Kneipe zum Wappen des Dauphins. Mancherlei sprach das Töchterlein dagegen; immer fröhlicher rieb sich Stefano die Hände, bis endlich die Verbindungstür mit Macht aufgerissen wurde und Mademoiselle — éplorée in das Schenkzimmer stürzte. Hinter ihr erschien der zornige Papa, einen zusammengedrehten Strick in der Hand:
„Warte, Kreatur!“
Stefano Vinacche wußte schon längst, was er zu tun hatte. Er warf sich auf den ergrimmten Gargottier und packte seinen erhobenen Arm.