Gold!
In demselben Jahre Eintausendsiebenhundert kaufte Monsieur de Vinacche aus dem Inventar von Monsieur, dem Bruder des Königs, für sechzigtausend Livres Diamanten.
[III.
Glück und Glanz.]
ir schauen wie in ein Bild von Antoine Watteau durch das zarte frühlingsfrische Blätterwerk zu Coubron — fünf Meilen von Paris — wo Monsieur Etienne de Vinacche auf seinem reizenden Landsitze ein glänzendes Fest gibt. Die untergehende Maisonne des Jahres Siebzehnhunderteins übergießt die Landschaft mit rosigem Schein; — Lachen und Kosen und Flüstern des jungen Volkes ertönt im Gebüsch; geputzte ältere Herren und Damen durchwandeln gravitätisch die gradlinigen Gänge des Parkes. Karossen und Reitpferde mit ihrer Begleitung von Kutschern, Lakaien und Läufern halten vor dem vergoldeten Gittertor; Monsieur de Vinacche und seine Frau sind eben im Begriff, von einem Teil ihrer Gäste, der nach Paris oder den umliegenden Landhäusern zurückkehren will, Abschied zu nehmen.
Die Dame Rochebillard, die Geliebte Tronchins, des ersten Kassierers Samuel Bernards, des „fils de Plutus“, — wird von Madame de Vinacche zu ihrer Kutsche geleitet; Monsieur Etienne befindet sich im eifrigen Gespräch mit einem jungen Edelmann, dem Sieur de Mareuil. Für fünftausend Livres will Vinacche dem Herrn von Mareuil einen konstellierten Diamant, vermöge dessen man immerfort glücklich spielen soll, anfertigen. Ein wenig weiter zurück unterhalten sich die beiden reichen Bankiers van der Hultz, der Vater und der Sohn, mit Herrn Menager, Sécrétaire du Roi und Handelsdeputierten von Rouen; — auf einem Rasenplatz tanzen einige junge Paare nach den Tönen einer Schalmei und eines Dudelsacks ein Menuett; bunte Diener tragen Erfrischungen umher, für die abfahrenden Gäste erscheinen andere; der Chevalier von Serignan, Monsieur Nicolaus Buisson, der Sieur Destresoriers, Edelleute von der Robe, Edelleute vom Degen, Finanzleute, Beamte und so weiter mit ihren Frauen und Töchtern, allgesamt angezogen von dem Glanz, der Pracht und dem großen Geheimnis des einstigen neapolitanischen Bettlers Stefano Vinacche.
Hat sich aber um Mitternacht dieser Schwarm der Gäste verloren, so erscheinen andere Gestalten. Aus verborgenen Schlupfwinkeln tauchen Männer auf, finstere bleiche Männer mit zusammengezogenen Augenbrauen und rauhen, rauchgeschwärzten Händen. Da ist Konrad Schulz, ein Deutscher, den Herr von Pontchartrain später verschwinden läßt, ohne daß man jemals wieder von ihm hört. Da sind Dupin und Marconnel, hocherfahren in der geheimen Kunst. Da ist Thuriat, ein wackerer Chemiker; da ist ein anderer Italiener, Martino Polli. Geheimnisvolle Wagen, von geheimnisvollen Fuhrleuten begleitet, langen an und fahren ab, und Säcke werden abgeladen und aufgeladen, die, wenn sie die Erde oder einen harten Gegenstand berühren, ein leises Klirren, als wären sie mit Goldstücken gefüllt, von sich geben, geheimnisvolle Feuer in geheimnisvollen Öfen flammen auf, — Wacht hält Madame de Vinacche, daß die nächtlichen Arbeiter nicht gestört werden in ihrem Werke.
Hüte dich, Stefano Vinacche! Im geheimen Staatsrat zu Versailles hat man von dir gesprochen: Monsieur Pelletier von Sousy, der Intendant der Finanzen, hat den Mann mit dem Kopf voll böser Anschläge, hat Monsieur d’Argenson aufmerksam auf dich gemacht.
Hüte dich, Stefano Vinacche! —
Wer klopft in dunkler Nacht an das Hinterpförtchen des Landhauses zu Coubron?