Jetzt tat ich in vollkommener Stupefaktion einen Seitensprung:

„Mein Herr—das ist nicht möglich!“

„Mein Herr?“

„Sie? Sie, der Sie, um dem Mondaufgange zu entrinnen, sich kopfüber, auf die Gefahr den Hals zu brechen, eben da—dort hinunterstürzten, der Kreisrichter Löhnefinke aus Groß-Fauhlenberge? Unmöglich, ganz unmöglich sind Sie der Kreisrichter Löhnefinke!“

„Doch, doch! Wenn Sie es ein Vergnügen nennen wollen, so habe ich es und bin der Genannte.“

Mühsam faßte ich mich, indem ich mir sagte: jetzt ist es außer allem
Zweifel, es ist ein Wahnsinniger mit mehreren fixen Ideen. Der
Unglückliche hält nicht nur den Mond für seinen Feind, sondern er
hält sich unbedingt dazu für einen andern.

„Ja, mein Name ist Löhnefinke, und ich würde es für eine Ehre halten, wenn Sie, mein werter Herr, mich nunmehr auch mit dem Ihrigen bekannt machen würden.“

Was war dagegen zu machen? Ich stellte mich vor und nannte meinen Namen und Titel. Sofort zog der Irrsinnige von neuem den Hut, griff nach meiner Hand, drückte sie herzlich und rief:

„Ach, mein liebe Kollege, sehen Sie, wie das Fatum die Leute zusammenführt! Wahrhaftig, das hätte ich mir vor einer Viertelstunde nicht träumen lassen. Mein Gott, so sind wir ja schon seit geraumer Zeit die besten Bekannten! Erinnern Sie sich doch! Haben wir nicht in Sachen Johann Peter Müllers, des nachgemachten Zigeunerhäuptlings aus Langensalza, Akten gewechselt und eine geschäftliche Korrespondenz geführt? Nicht wahr, es fällt Ihnen ein? O, wie mich das freut!“

War das ein Traum, oder war’s Wirklichkeit? War dieser Mensch verrückt, oder war ich es?