Sofort kam eine außerordentliche Veränderung über den ganzen, dicht neben mir sitzenden Menschen. Er duckte sich wieder einmal, und wie vorhin nach meinem Regenschirm griff er jetzt nach dem vor ihm stehenden Glase, zog die darin befindliche heiße, dampfende Mischung auf einen Zug in sich hinein und flüsterte durch die Zähne:
„Es ist aber doch so! Ich hasse den Mond; er ist mein Todfeind, und ich ziehe den kürzern gegen ihn, wie er gegen die Lampe da über uns.“
Ich winkte der Kellnerin, welche meinen Wink verstand und dem Kollege ein zweites dampfendes Glas vor die Nase setzte.
„Danke!“ sagte der Kreisrichter. Und auch Ihnen Dank; denn wäre ich vorhin Ihnen und Ihrem Schirm nicht in die Arme gefallen, so weiß ich wahrlich nicht, was auf diesem schattenlosen Strande aus mir geworden wäre.“
„Kollege,“ sprach ich, „ich bin ein ruhiger Mann, amtiere seit langen Jahren zur Zufriedenheit meiner Amtseingesessenen und meiner vorgesetzten Behörden. Ich habe den Landesorden zu Hause im Schubkasten und bin noch nie einem mir anvertrauten Geheimnis gegenüber feloniter vorgegangen: würden Sie es sehr übelnehmen, Kollege, wenn ich Sie aufforderte, mir mitzuteilen, wie Sie mit jenem unschuldigen Trabanten unserer sündigen Erde in Konflikt geraten sind?“
„Ich werde das durchaus nicht übelnehmen“, sagte der Kollege.
„Im Gegenteil, von Zeit zu Zeit fühle ich das intensivste Bedürfnis, meinem Haß und Zorn und leider auch meiner grimmigsten Beklemmung und Angst gegen eine fühlende Seele Luft zu machen. Lassen Sie sich ebenfalls noch ein Glas Grog geben und hören Sie zu. Nachher mögen Sie richten und werde ich mich auf Ihr Urteil verlassen, um so mehr, als ich Sie bereits aus unserem amtlichen Schriftenwechsel als einen tüchtigen Juristen kennengelernt habe.“
„Ungemein verbunden“, sprach ich, aufs äußerste gespannt, und sah jetzt dem Kollegen in die Augen, wie ich vor fünfundzwanzig Jahren meiner Braut nicht in die ihrigen gesehen hatte. Er schlürfte von neuem vom dampfenden Getränk und begann und legte sein Bekenntnis ab.
„Zuerst,“ sagte er, „muß ich Ihnen bemerken, daß mein Arzt mich hierher ins Seebad geschickt hat auf den Antrieb meiner Frau gerade dieses meines Zustandes wegen, wie sie sagt,—meiner Nerven wegen, wie er sagt. Jahrelang hat der Mann, der mich von Jugend auf kennt, der mit mir aufgewachsen ist, über diesen Zustand gelacht; erst durch die Insinuationen meiner Gattin ist ihm die Sache bedenklich geworden. Auf einmal hat er gefunden, daß es jetzt die höchste Zeit sei, etwas gegen die bedauerlichen Zustände zu tun, und hier bin ich und gehe pflichtgemäß täglich ins Wasser, wie Sie heute abend erfahren haben, bis jetzt ohne den geringsten Erfolg. Zur Sache! Mit einem Wort, ich büße für meine Jugendsünden.“
„Aha!“ murmelte ich, doch der Kollege schüttelte, meine Meinung sofort erkennend, nachdrucksvoll den Kopf und seufzte: