Der junge Müller sah sich um. Rechts über die Schulter und links.

„Das ist freilich Sonntagsbesuch, auf den ich mich nicht eingerichtet hatte, Korporal,“ stotterte er; aber der Einarm lachte:

„Will’s Ihm glauben, Albrecht; aber das muß ich sagen, warm sitzt Er und propre. Ist das das Nest, aus dem Er aufgeflogen ist, um mit uns zu ziehen? Da kann ich es dir freilich nicht verübeln, daß du dich beizeiten wieder aus dem Pulverdampf in den Mehlstaub verzogen hast! Was sieht Er mich so jammerhaft an, Musketier?“

Der junge Müller sah in der Tat den Kriegskameraden ein wenig kläglich und verlegen an. Die Uhr im Winkel hob eben aus und tat ihre zwölf Schläge: lang konnt’s nicht mehr dauern, so waren die beiden Alten aus Sarstedt zurück; und was der Alte zu dem verwilderten Gaste mit dem leeren Ärmel sagen würde, das wußte der junge Meister fürs erste noch nicht zu sagen. Er erinnerte sich nur mit merkwürdiger Deutlichkeit seines eigenen Empfangs zu Hause nach der Rückkehr aus dem Felde und blickte jetzo nach dem Winkel neben der Uhr, aber einen Trost gewährte es nicht, daß das spanische Rohr daselbst nicht an seinem gewohnten Platze lehnte. Der Meister Christian führte es mit sich, würdig war er daran zur Kirche geschritten, und unbedingt brachte er es wieder mit heim; er hielt etwas auf den Stab, den er bereits von seinem Vater ererbt hatte und noch um eine Generation weiter zu geben hoffte.

„Ich sehe dich nicht jammerhaft an, Jochen,“ sagte der junge Müller. „Aber mein Vater und meine Mutter —“

„Hoho,“ lachte der andere, „steckt’s da? Die halten das liebe Söhnchen wohl fest am Bande? Sie haben wohl nicht Lust, es zum zweiten Mal im weiten Felde zu suchen? He, Albrecht, Bruder, da laß du mich nur sorgen; aus dem Quartier geh’ ich bis morgen früh nicht. Schaff zu trinken; den Hunger heb’ ich mir zu Tisch auf! Nestküchelchen, Füsilier Bodenhagen, Bruderherz, sind wir darum in so erschrecklichen Bataillen gestanden, um uns zu Hause den Suppenlöffel ums Ohr schlagen zu lassen? Mordieu, her mit der Flasche — schaff einen Schnaps; oder ich hetze deinen eigenen Hund auf dich! wie heißt denn der Köter?“

„Schrei nur nicht so, Jochen. Hierher — ruhig, Laudon! will er Ruhe halten, Laudon? O Jochen, tu mir die Liebe an —“

„Laudon heißt das Beest? Nenn es Sackville, Kamerad! Feig und niederträchtig genug sieht die Kreatur zu dem Namen aus! Hetz sie nur auf den Zeltkameraden, Bruder Albrecht! He, Sackville! He, Sackville! faß an, pack an, Lord Sackville! Mit meinem leeren Ärmel wehr’ ich mich! Siehst du, da verkriecht sich der Kujon unter der Bank, und da — dort verkriecht sich der Broglio aus der Affäre, und da lieg’ ich im Sumpf, und der Arm ist zum Teufel. Sackville, hoho, Sackville, Mylord Sackville! so zieh’ ich als ein Invalid mit dem Bettelsack aus dem Feldspital nach Hause, und mein bester Freund fürchtet sich vor der Rute hinterm Spiegel. Pfui, Satan; ich spucke aus und wünsche dir alles Glück bei deinen Mehlsäcken, Albrecht Bodenhagen. Adjes, und wenn du es gar nicht mehr aushalten kannst, laß dich beim Sackville unter die englische Kavallerie anwerben, und deinem Hundevieh tu’ ich Abbitte, das ist viel zu gut für den Namen. Gott befohlen, Müller, und die englische Krankheit in deine Knochen!“

Er hatte den Hut aufgestülpt und wollte eben zornig zur Tür hinaus, als sich dieselbe öffnete, das heißt, als sie weiter aufgemacht wurde. Es hatte seit mehreren Minuten bereits jemand da dem Dinge zugehört. Der alte Meister Christian stand auf der Schwelle, und hinter ihm stand angsthaft seine Hausehre und hielt ihn am Rockschoß; es wies sich jedoch sonderbarerweise aus, daß das gar nicht notwendig war.

Der Invalide von Minden rannte an den Meister an und fuhr zurück.