Das war nun mit einem solchen blasphemistischen Grinsen gesagt, daß jegliche Bibel auf sechs Meilen in die Runde von Rechts wegen einen Schreckenssprung hätte tun müssen auf ihrem Platz oder Gestell, und wie das folgende Gespräch ausweist, kannte der Korporal Jochen seinen Mann auch nach der Richtung.

„Guten Tag, Vater Radebrecker,“ sagte der Einarm, militärisch grüßend.

„Guten Tag, mein Söhnchen,“ entgegnete der alte Meister. „Der Herr segne deinen Eingang und — Ausgang.“

„Hm,“ meinte der Soldat, „kann Er’s denn gar nicht lassen, Er alter Sünder? Weiß Er aber, ich habe mir sagen lassen von einem großen Ofen, der immer noch geheizt wird, und anjetzo, wie einige meinen, mehr denn je. Will Er denn absolut Pastor in der Hölle werden und von einer glühenden Kanzel den armen verlorenen Seelen Geduld predigen, Radebrecker?“

„Hm, — jedermann nach seinen Gaben, Freund Jochen. Er in seinem wilden gottlosen Kriegsleben kann nichts davon wissen, wie sanft es dem Menschen zumute wird hier in der Eremiterei, im stillen Forste.“

„Man sollt’s doch nicht für möglich halten!“ brummte der Invalide mit einem Blicke zum wolkenvollen Herbsthimmel. Dann sah er den Alten mit einem gewissen scheuen Unbehagen von der Seite an und brachte das Gespräch auf etwas anderes.

Er sagte mit einigem Zögern:

„Da Er’s doch schon weiß und darüber sein Pläsier hat, so mach’ ich’s kurz: der Innerste wegen bin ich mal wieder da, und wär’s auch nur, um mich von ihr malträtieren zu lassen, schlimmer als ein armer Sünder vom Profossen. Wie geht’s der Jungfer Tochter, Vater Radebrecker?“

„Hört Er sie nicht, mein Sohn? Sie hat eine recht feine, liebliche Stimme. Es ist meine einzigste Lust in meinen alten Tagen, sie so in den Wald hineinsingen zu hören.“

Der Einarm murmelte etwas zwischen den Zähnen; der greise Alraun aber legte die Hand hinters Ohr.