„Was beliebt Ihm zu meinen, mein Herzenssöhnchen? Es wird immer schlimmer mit meinem Gehör von Tag zu Tage?“

„Ich sage auch, daß die Innerste — die Doris eine feine Stimme hat und sie weit hinausschickt!“ schrie der Korporal Jochen Brand. „Ich bin nicht der erste, der sie auf sechs Meilen ins Land vernommen hat, und den sie hergesungen hat nach dieser verdammten, gottverfluchten Räuberhöhle. Und an Boten für ihre Wege fehlt’s ihr auch nicht; wenn nur der Botenlohn danach wäre!“

„Ei, ei, mein Söhnchen, was sagt Er da! Besinne Er sich doch, Korporal, daß Er zu dem Buschmüller spricht, der ein Dach und einen Platz am Tische hat für jedermann, von dem man zu Hause — nichts wissen will, und wenn er noch so glorreiche Bataillen gewonnen hat. Ein guter Ruf ist das köstlichste Ding auf Erden und ein gut Gewissen —“

„Das zweitbeste Ding, Vater Radebrecker. Sapperlot, ich weiß alles und verlange auch von Ihm keine Brühe an den Braten. Also die Innerste sitzt in der Stube?“

„Wie’s Täubchen im Neste; — und Er ist willkommen, Jochen, wenn man Ihn gleich in Grund über die Schulter ansieht. Geh’ Er nur hinein; ich habe noch hier draußen zu schaffen und komme nach.“

„Der Zwergenkönig vom Hübichenstein ist nichts gegen Ihn, Meister Radebrecker!“ seufzte der gute Kriegsmann des Herzogs Ferdinand und stiefelte mit gehobenen Knien wie ein Storch über die Hausschwelle. Der Alte schlich sich wie ein Fuchs um die Ecke seines Hauses und kicherte vergnüglich in sich hinein.

Auf der Schwelle der Stubentür nahm der Korporal den Hut ab:

„Bon jour, mademoiselle!“

„He?“ fragte Jungfer Doris, auf ihrem Stuhl am Fenster sich umwendend.

„Guten Tag, allerschönste Mademoisell, mein’ ich. Wir haben manchen Franzmann draußen unter uns, und von denen lernt man die Höflichkeit und was den Damens sonst gefällt.“