Sie hatten ihre Geschäfte; aber das beste wird’s sein, daß wir unsere Hand davon lassen. Es ist über hundert Jahre her, seit sie da im Harz an der Innerste, im wilden Walde so vergnüglich beisammensaßen. Verjährt! verjährt! Es ist über das alles Gras gewachsen, und ebenso arge Dinge sind nachher ausgeführt, und ist damit renommiert worden, und die alte, uralte Entschuldigung, daß der schwache Mensch eben zusehen müsse, wie er sich durch die böse Welt bringe, gilt auch heute noch.
Einmal ging ein Kelch um den Tisch, der freilich verdächtig aussah, als ob er wohl aus einem Sakristeispinde herstammen könne, und dann war ein Stündlein später von dem Förster vom Iberge die Rede, der im Frühjahr tot, mit einer Kugel hinter dem Ohr im Kopfe, im Dickicht am Hübichenstein gefunden worden war. Voll und leer ging der Kelch um den Tisch, und über den toten Jägersmann lachte man, und einer meinte, mit dem Zwerg Hübich lasse sich schlimm spaßen. Es war auch eine Geldsumme zwischen zwei der Gesellen zu teilen, da gab’s neuen Hader, den der Meister Radebrecker schlichtete, indem er die zwei Wildemannsgulden und acht Mariengroschen, um die es sich handelte, für sich nahm als Unparteiischen. Dann kam das Schmaltier gebraten herein und neues Getränke, und es wurde auf das Wohl des Bergmeisters Wiesehahn zu Lautenthal angestoßen, und wiederum hatte einer ein Wort zuzugeben und meinte, der möge sich nur auch in acht nehmen, denn der Zwerg Hübich sei mächtig unter der Erde wie über der Erde.
Hiermit ist denn die Unterhaltung auf das Feld der Sage übergegangen, und da hätte wohl manch ein gelehrter Herr des neunzehnten Jahrhunderts gern den Horcher an der Wand gespielt und die Strolche, Halunken und Vagabunden des Jahres 1760 reden hören.
Ellenbogen an Ellenbogen mit dem kleinen Alraun, dem Meister Radebrecker, saß noch ein kleiner Kerl, der auch einen Buckel trug, aber auf der anderen Schulter als der Buschmüller. Zwei Stunden von der Harzburg bei Wülperode im Steinfelde ist der Klöpperkrug gelegen, und dem Wirt daselbst war am letzten Sonntag der Knecht abhanden gekommen, aber seine zwei Kühe und seinen mageren Gaul hatte er krepiert im Stalle gefunden. Da hatte es ein lautes Heulen gegeben um das Vieh und ein hitziges Suchen nach dem Knecht, aber der war nicht gefunden worden, denn bis in die Buschmühle war man von Amts wegen nicht gekommen.
Und vor dem Fenster der Buschmühle brauste der Wald und sauste der Sturmwind; es ächzten und knirschten und krachten die hohen Tannenbäume, und der Knecht vom Klöpperkrug sagte:
„Das ist das Wetter, wo Er waltet. Ich sollte meinen, alle Augenblick müßte er ansprechen und sich vermelden!“
„Wer?“ fragte Doris schrill über die ganze Länge des Tisches.
„Der Ritter, Jungfer! der Hackelberg, Jungfer Radebrecker. Bei solcher Witterung jagt er am liebsten.“
Im Garten des Klöpperkruges liegt ja der wilde Jäger, der Ritter von Hackelberg, begraben, und seine Sturmhaube wird bis auf den heutigen Tag daselbst aufbewahrt und gern vom Wirt vorgewiesen; aber die Kumpanei in der Buschmühle lachte doch, und der Korporal Jochen Brand sprach:
„Kamerad, den wilden Jäger habe ich wohl auch ziehen sehen, aber nicht in den Lüften. Es stürmte auch jedesmal, wo die Jagd zog in Sachsen, Böhmen und Schlesien; sie zieht auch heute wohl, und der alte Zieten reitet vor dem Zuge. Wer aber den General Seidlitz jagen sah mit seinen Kürassieren, dem wird’s übel, wenn er vom Hackelberg, der Tutursel und all dem anderen Gespensterplunder hört. Kotz Blitz, der König Fritze läßt reiten, und von den hungarischen Husaren der Frau Kaiserin will ich auch nichts Despektierliches sagen; aber Seinen Ritter Hackelberg muß ich selber ziehen sehen, ehe ich glaube, daß der besser zu Pferde sitzt als ein Franzos.“