Es waren drei Kerle, die in die Stube drangen; — Gesindel, wie es sich zwischen den Heeren umtrieb, und wie der Bauer jener Zeit es zu seinem Schrecken und Schauder nur allzu gut seit Jahren kannte! Der Rock des fünfzehnten Ludwig neben der zerfetzten Uniform König Friedrich des Zweiten! Um den dritten Galgenstrick aber zu kostümieren, mußte die ganze Reichsarmee Mann für Mann einen Fetzen hergegeben haben, und es wäre wahrlich ein Kunststück gewesen, aus seiner äußeren Erscheinung her bestimmt abzunehmen, welchem Herrn er zuletzt falsch geschworen hatte.
Was nun in der Mühle vorging, läßt sich schwer nacheinander erzählen. Besinnen und Bedenken war nicht am Ort. Der Meister Müller, den sie einst den tollen Bodenhagen nannten, schoß zuerst, und traf auch. Die Eindringlinge feuerten ihre Pistolen ab.
„Sacre nom de dieu! En avant les autres!“
Der Korporal Brand schlug für den Musketier Bodenhagen zu, wie er vordem auf ihn gehauen hatte; und ob den beiden guten Knappen Hans und Fritz würde dem Oberst Colignon das Wasser im Munde zusammengelaufen sein. Es wurde ein Raufen, Heulen, Sakermentieren und Ächzen im Dunkeln, denn der Tisch stürzte um mit der Lampe und der Weihnachtstanne, und die weißen Müllerhabiter hatten jetzo ihr Gutes; es war ihretwegen keine Not, daß Meister, Gesell und Gast aufeinander schlugen. Der Schnee leuchtete ihnen aber auch von draußen.
Sie trieben die Räuber bis auf die, welche zu Boden lagen, in den Hausgang zurück und dann auch wieder aus dem Hause hinaus. Sie konnten nur noch die Kolben gebrauchen, aber sie gebrauchten sie trefflich; daß die Not sie beten lehrte, konnte man gerade nicht behaupten. Die Mühle wehrte sich tapfer, und die Frauenstimme, die so melodisch das Zeichen zum Angriff gegeben hatte und immer von Zeit zu Zeit von neuem in den Lärm des Überfalls klang, wurde immer greller, kreischender, zorniger, giftiger! Die drei armen Weiber, die im Winkel am Ofen in ein zitternd Bündel zusammengeduckt knieten, vergingen am meisten vor dieser Stimme in Schauder und Ohnmacht. Seltsamerweise hatte nächst den Frauen der Korporal Jochen das feinste Ohr für sie; der junge Meister Albrecht Bodenhagen, sein Haus und Weib verteidigend, achtete kaum darauf.
Es ging scharf — scharf um das Heimwesen des Müllers an der Innerste. Fritz und Ferdinand, Soubise und Broglio waren mit ihren Armaden vertreten unter den dunklen Gestalten, die im Schneegestöber aus dem Weidengebüsch am Fluß vorhuschten, über das Eis glitten und über den Gartenzaun kletterten, um die Mühle und ihre Bewohner in ihre Gewalt zu kriegen; aber der wilde Bodenhagen und sein Haus hielten sich gut. Wenn es ein Glück war, daß die alte Frau diese Nacht nicht erlebte, so war es doch schade, daß der alte Meister Christian sein Söhnchen diesmal nicht bei der Arbeit sehen konnte.
Sie verrammelten die eingestoßene Pforte, sie luden und schossen aus den Fenstern. Sie trafen dann und wann auch, und der einarmige Korporal meinte:
„Wenn sie uns das Dach nicht über den Köpfen anstecken, halten wir uns bei Gott, bis Bürgermeister und Rat aus Sarstedt zum Sukkurs kommen! Courage! Courage! — Uh, wer stopft die Weiberkehle da?“
Die letzte Frage hatte er zwischen den Zähnen gemurmelt. Dicht unter dem zertrümmerten Fenster, an dem er mit seinem Beile stand, war der schrille Schrei erklungen, und wieder wurden zwei oder drei Schüsse in die Stube hinein abgefeuert. Ein durchdringender Jammerlaut aus dem Ofenwinkel folgte sofort, und der eine der Knappen schoß zurück aus dem Fenster und traf. Die dunklen Gestalten im Garten huschten durcheinander und fluchten deutsch und französisch. Das Weib rief scharf und spöttisch drein: und noch einmal stürzten sich die Angreifer auf die zertrümmerte Haustür, deren Verrammelung von dem Meister Albrecht und seinem zweiten Gesellen in Verzweiflung verteidigt wurde.
„Hans Lages, willst du mit? In dem Dampf hier vergeht einem doch der Atem; — ich hab’s mir versprochen, und so lang’ ich lebe, kriegt die Innerste ihren Willen nicht!“