„Das meinte der Braunschweiger hohngrienig auch,“ sagte der Bruder Henricus.

„Davon nachher. Jetzt laß dir weiter erzählen. Siehe — da liegt der Schinken — knochen! Wir hatten sie zu Hunderten in der Rauchkammer, einen bei dem andern; vordem ein Anblick des Ergötzens, nunc lugubris et tristis memoria! Weg sind sie! Ja, ja, mein Sohn, via ad coelum nonnisi lacrymis struitur — der Weg zum Himmel gehet durch ein Tränental. Wir hatten sie, Gallos, meine ich, auf dem Tische und bei Tische. Weg sind sie, galli et Galli. Die einen in die Mägen der andern; und wie es den Hennen zu Höxter ergangen ist, das werden die nächsten neun Monden ausweisen. Da waren sie sich alle gleich, die aus dem Languedoc und die aus der Bretagne, die aus der Normandie und die aus der Pikardie, und ihr Haupthahn war nicht besser als sein Volk. Diabolus accipiat animam ejus, der Böse nehme ihn beim Kragen auf seinem Wege nach Wesel. Na, mein Sohn, du rittest mit dem Tilly in deiner Jugend, du weißt Bescheid —“

„Sprechen Sie jetzo das Gratias, mein Pater,“ seufzte der Bruder Henricus. „Grade weil ich mit dem Tilly ritt, will das mir in diesem Momento nicht anstehen. Nachher wollen wir uns schlafen legen.“

„Das wollen wir mit nichten,“ rief der Pater Adelhardus. „Omnia tempestive, alles zu seiner Zeit. Habe ich mich deinethalben so heiser gesprochen, so berichte mir nun auch, was du uns Gutes mitbringst vom Herzog Rudolfus Augustus.“

„Das mögt Ihr nun nehmen, wie Ihr wollt,“ flüsterte der Bruder Henricus. „Er hatte den Wald, den Solling, gewaltig verrammelt. Er stand mit Geschütz, Reitern und Fußvolk vom Idth her bis an den Fluß. Bis hieher und nicht weiter! sprach er, nachdem er mir seine Rüstung hatte vorweisen lassen. Es wäre selbst für den Turennius ein harter Marsch durch den wilden Forst und die Weserberge gewesen.“

„Deshalb blieb er auch confortabiliter bei uns und zeigte den Huxarienses, den Höxternschen, und uns seine und unseres Herrn Bischofen und Administratoren Macht und Gewalt!“

„Nachher fand ich heute die Weserbruck abgebrochen.“

Der Cellarius von Corvey neigte bedächtig das Haupt:

„Es hat alles seine Gründe in dieser Welt. Diesmal sind wir in Holland in Not, sonsten wäre es uns noch länger ganz wohl zu Corvey gewesen; — nicht wahr, messieurs? — Uns? uns! lieber alter Sohn Heinrich, wir leben in einer bittern, verworrenen Zeit. Haben wir die Pikenierer und Musketierer des Braunschweigers hier gehabt, so könnten wir wohl auch noch einmal seine Artolleria über den Fluß rücken sehen. Der Herr von Fougerais war ein kluger Mann und marschierte mit dem Bart auf der Schulter ab. Sohn Heinrich, weißt du, was mir ein Himmelstrost ist in diesen schlimmen Tagen?“

„Nun, mein Pater?“