„Dann ist es etwas anderes; und nun werden der Herr Prior, samt Subprior und Probst doch wohl aus den warmen Nestern herfürmüssen,“ brummte der Cellarius, zwischen Schadenfreude und eigener Unbehaglichkeit schwankend.

„Ich habe es mir wohl gedacht; es sah böse aus in Höxter, als ich heute abend von der Fähre kam. Die Gassen gefielen mir nicht, und was darin geredet und geflüstert wurde, gefiel mir noch weniger.“

„Rebellion? Tumult in der Stadt? Seditio ante portas?“

„Unsern teuren Brüdern zu St. Niklas war’s auch nicht wohl zumute.“

„Also das alte Spiel! Trumpf Luther, — Trumpf Papst! der Herr schütze uns, Schellenkönig — Eckerdaus! Stich Münster — Stich Braunschweig! — zieht Ihr die Lärmglocke von Corvey, Frater Henricus; treibt mir die Klostermannschaft in die Hosen; ich will die Väter und Brüder hervorpochen. O Herr von Zitzewitz, ach Herr von Metternich, der Herr gibt es den Seinen im Traum. Ho, ho, heraus! heraus! all’ arme! all’ arme! Huxar im Aufstande!!!“ —

Nun war es doch spaßig, in diesem Moment in diesem Korridor der großen Abtei Corvey zu stehen und darauf zu achten, wie auf den Waffenruf das sonore Schnarchgetön hinter den Zellentüren plötzlich stille stand — als ob ein Mühlwerk angehalten wurde. Dann aber polterte und grummelte es hinter diesen Türen, dann öffneten sich die ersten derselben — dann wimmelte es hervor und zwar aus allen.

„St. Veit und Benediktus, was gibt es denn nun schon wieder?“

Der Vater Adelhardus ließ sich auf keine Antwort ein; er weckte den Herrn Prior zum andern Mal. Der Bruder Heinrich von Herstelle aber, ein Mann, dem es ganz gleichgültig war, ob in seiner Abtei die fünf ersten Bücher der Annalen des Tacitus wiedergefunden worden waren, verstand es dagegen noch ganz trefflich, eine Lärmglocke zu ziehen und eine Wachtmannschaft in den Harnisch und an die Spieße zu bringen.

Corvey lief durcheinander:

„St. Veit, die Braunschweiger sind über den Fluß! St. Benedikt, der Fougerais ist umgekehrt. Sie sind im Handgemenge in Höxter! Aus den Betten für das Stift! Auf für Christoph Bernhard, — auf für Corvey!“