Die ältesten Greise wankten hervor. Der Propst Ferdinand von Metternich kam; es kam der Subprior Florentius von dem Felde, und zuletzt kam auch der Herr Prior Nikolaus von Zitzewitz.

„Das war mir eine schwere Mühe,“ erzählte nachher der Vater Adelhardus. „Elinguis stabat, gleich einem Ölgötz, gleich einem Stocke stand er und rieb sich die Augen. Vae turbatori; wer auch die Schuld davon tragen mag, — mir vergißt er die Molestierung in seinem Leben nicht.“

Dem sei nun, wie ihm wolle, — so kam Corvey auf die Beine! ... Höxter und Corvey!

Achtes Kapitel.

Was uns anbetrifft, so kamen wir von den Beinen noch gar nicht herunter. Verfügen wir uns zurück nach Höxter, und zwar mit kühler Stirn und gelassenem Gemüt: es ist uns beides vonnöten, und des letzteren rühmen wir uns vor allem. Der große Autor der Dasselschen Chronik Meister Hans Letzner, natürlich schnöde zubenamset der Fabelhans, konnte nicht kritisch-ruhiger in den Wirrwarr seiner Tage oder insbesondere in das Getümmel des St. Vitus-Festes hineingucken, als wir in diese Höxtersche Lärmnacht nach dem Abmarsch des Marschalls von Turenne und des Herrn von Fougerais.

In der Stadt war längst alles auf den Beinen! Der Grimm mußte heraus, und jetzt hatte eben die Gärung den Zapfen aus dem Spundloch getrieben: sinnverwirrend ergoß sich die trübe Flut, und da wir von Corvey kommen und also wissen, wie es dort aussieht, so wissen wir auch, daß fürs erste niemand vorhanden war, der den Ölzweig über diese schlimmen Wasser hintragen oder noch besser das Öl selber in sie hineingießen konnte. Auch die Frauen befanden sich in den Gassen, und das war das Allerschlimmste. Sie, die Weiber, hatten auch von der französischen Einquartierung zu leiden, und zwar in mehr als einer Weise, und wahrhaftig mehr als die Männer. In welchen Winkeln hatten sie sich mit ihren heulenden hungernden Kindern verkriechen müssen! Glücklich noch, wenn sie nicht daraus hervorgezogen wurden, um die tägliche und nächtliche Lustbarkeit durch ihre Gegenwart zu verschönen. Nun kamen sie von ihren leeren Speiseschränken, versudelten Betten, verschweinigelten Fußböden und suchten ihrerseits die geeigneten Persönlichkeiten und Zustände, an denen sie ihren Grimm und Groll auslassen konnten. Katholikinnen wie Lutheranerinnen waren sich darin einig, daß mehreres gesagt und getan werden müsse, ehe es wieder Ruhe und Anstand in Höxter geben könne, und an ihnen — den Höxterschen „Dames“ — hatte der Helmstedter Relegatus, Herr Lambert Tewes, vor allem sein Vergnügen.

Meister Lambert, von seinem harten Lager in der Schenke zum heiligen Veit auffahrend, wie beschrieben, schob den Horatius, der ihm als Kopfkissen gedient hatte, in die Tasche und sprang vor die Tür der Schenke. Wir haben auch bereits dem Leser mitgeteilt, daß diese Kneipe am Corveytor, also ein wenig entfernt vom Mittelpunkte der Stadt, lag. Demnach war es still in der Umgegend; der ausgebrochene Tumult wütete mehr in der Mitte der Stadt, und weitbeinig verfügte sich der Student dorthin.

„Was würde mir nun das beste Federbett nebst Schlafrock und Pantuffeln geholfen haben? Was hilft es nunmehro dem Herrn Oheim, daß er die Zipfelkappe über die edlen Ohren zog? Muß er nicht auch heraus? Er muß! Ja, ja, wieder hat es sich gezeigt, daß die Bank das einzig richtige Lager für die Zeitumstände ist. Paratus sum! und hinein mit Lust und Mut in des Säkulums Pläsier und Jokosität. Ein einziger Jammer ist es nur, daß man hier nicht rufen kann: Bursche ’raus! wie unter den Fittichen der hochgelobten Julia Karolina.“

Es ging auch ohne das. Von einem heftigen Zulauf des Pöbels mitgezogen, tauchte er, natürlich mit dem altbekannten Quo, quo scelesti ruitis, jedoch ohne das diesmal in deutsche Reime zu bringen, zuerst vor der lutherischen Pfarrei aus dem wüsten Schwall auf und schwang sich auf einen Prellstein; natürlich nur, um besser sehen zu können, was man eigentlich mit den lieben Verwandten im Sinne habe.