Wäre es nunmehr nicht unsere Pflicht, nach dem Burgemeister zu laufen? Durchaus nicht, denn er kommt am letzten Ende doch immer ganz von selber, und so auch jetzt, und zwar begleitet von den Ältesten und Würdigsten der Gemeinde.
Ächzend kam er, Thönis Merz der Bürgermeister, und mit ihm die andern: Kaspar Albrecht der Senator und Jobs Tielemann und Heinrich Kreckler und Hans Jakob zum Dahle, und Hans Freisen und Hans Sievers und Hans Tropen und Hans Heinrich Wulf und Heinrich Voßkuhl und Adam Sievers, die Dechanten von den Gilden und Konrad Kahlfuß der Gemeinheit Meister! Sie erschienen, um Ordnung zu stiften, und etwas Großes war das auch gar nicht, wenigstens an dem Orte, an welchem sie jeweilig auftraten.
„De Burgemester!“ krächzte eine Stimme im Haufen, und sofort kam ein Schwanken und dann ein Erstarren in die wogende Flut. Kopfüber stürzten die Angreifer von den Treppenstufen des Pfarrhauses hinunter, auseinander stob der Pöbel, und der Konsul stieß dem Senator den Ellenbogen in die Seite und sprach:
„Gevatter, was habe ich gesagt?!“
Ob es aber mehr darauf, was er gesagt hatte, oder was der Herr Pfarrer und die Frau Pfarrerin jetzo sagten, ankam, das wollen wir dahingestellt sein lassen. Wer da sagt: Racha! der ist des Rats schuldig; und es wurde dergleichen ausgerufen; — sehen wir zu, wo derweilen unser Helmstedter geblieben ist. —
Wenn das erboste katholische Volk bei St. Kilian auseinander gelaufen war, so war’s danach freilich noch nicht ruhig nach Hause und ins Stroh gegangen, sondern im Lauf durch die Gassen St. Niklas zu.
Leichtfüßig war der Student von seinem Eckstein heruntergesprungen. Er hatte alles hier in Obacht genommen, was ihn interessieren konnte, doch die Blüte des Spaßes pflückte er nun erst ab.
Der Platz vor der Pfarrerwohnung war leer. In der wieder geöffneten Tür standen heftig gestikulierend der Onkel und die Tante, auf den Treppenstufen der Bürgermeister mit der Hand auf der Brust, am Fuße der Treppe in einem Halbkreis der Chor der Senatoren, Patrizier, Tribunen und Gilden-Hauptleute. Gravitätisch schritt jetzt Herr Lambert Tewes aus der Dunkelheit hervor, in das Licht der Laterne, die der Gemeinheit Meister Konrad Kahlfuß trug, hinein, zog höflich den Hut, verbeugte sich tief und richtete an die Herrschaften das, was achtzig Jahre später die Literaturbriefe, wenn sie Herrn Dusch vornahmen, „mit unsern galanten Briefstellern die Courtoisie nennen.“ Dann schritt er langsam querüber in die nächste Gasse und lief, sobald er der entrüsteten Auctoritas aus den Augen war, so schnell ihn die Füße trugen, dem Tumult bei St. Nikolaus zu:
„Wer fürchtet des Skythen, des Parthiers Wut,
Wer scheuet Germaniens greuliche Brut?