Und schon hatte er ihn selber an der Gurgel und auf dem Boden, ehe der Fährmann sein Mordbeil aufgreifen konnte. Mit beiden Fäusten aber erhob der Bruder Heinrich von Herstelle sein mächtig Schlachtschwert und ließ es flach auf den Schädel des Strolches fallen, der die Simeath bedrängte. Der dritte der Raubbrüder ließ feige das Bündel der Alten im Stiche, sprang empor und wollte mit einem Satz über den niedergestreckten Leib seines Kameraden die Tür, die Treppe und die Gasse gewinnen, fiel aber auf der Treppe den heraufpolternden Klosterleuten und dem ihnen nachkeuchenden tapfern und weisen Hauptmann und Gubernator Meyer in die Arme. Sie fingen ihn zärtlich auf und drückten ihm fast die Seele aus dem Leibe, und ganz gutwillig ließ er sich in der Stummerigenstraße die Hände auf dem Rücken zusammenschnüren. So war die Schlacht hier denn fast eher beendigt, als sie begonnen hatte, und neben den beiden auf der Erde zappelnden Besiegten stehend, blickten die zwei Sieger, Bruder Mönch und Bruder Studio, einander sogar ein wenig verwundert darob an.

Doch jetzo trat der Herr Hauptmann Meyer herein und sah sich seinerseits ein wenig in dem Gemache der Kröppel-Leah um.

Militärisch grüßend und auf den Fährmann und seinen Gesellen deutend, fragte er dann:

„Mit Permission, mein Pater, wie ist es nun mit der Gerichtsbarkeit in Höxter? Hier haben wir den Casum von neuem, behalten wir von Stifts wegen die beiden Lümmel, oder schicken wir sie dem Bürgermeister Merz? Hängen wird sie ja doch wohl Corvey in Anbetracht, daß Bischöfliche Gnaden der Stadt das Blutgericht genommen haben?!“

Zweifelnd krauelte sich der Bruder Henricus am Ohr; doch der Student nahm ihm das Wort vom Munde:

„Einen schönen Gruß von mir und einen Handkuß desgleichen an den alten E—, an die hochehrbare Exzellenz von Huxar, Herrn Thönis Merz, und ich — Lambert Tewes, schicke ihm hier was und erbitte mir dafür morgen ein Viatikum auf den Weg nach Wittenberg von wegen geleisteter Dienste fürs gemeine Wesen. Macht keine langen Worte, behaltet nur ein einziges Mal Eure Weisheit und sesquipedalia — Eure sechs Fuß langen Bedenklichkeiten — für Euch. Den Hans da empfehle ich Euch und dem Bürgermeister besonders, Centurio. Gebt es ihm mit der Weinrebengerte gleichfalls mit einem Kompliment von mir.“

Der Hauptmann sah höchst verdrießlich auf den seine Würde so wenig achtenden Redner, doch der Bruder Henricus meinte lächelnd:

„Für diese Nacht wird’s wohl das beste sein, daß wir tun, wie der Tollkopf vorschlägt, Herr Kapitän. Sagen Sie auch meinen Gruß dem Herrn Bürgermeister. Des Stiftes Rechte zu wahren, stellen Sie zwei Mann zu der Ratmannswacht vor den Turm.“

Der Hauptmann hob wiederum martialisch den Hut; die zwei blutenden Hausfriedenbrecher wurden hinaus- und die Treppe hinuntergeschleift, und der Bruder Heinrich sowie der Student fanden nunmehr die erste Muße, sich nach den beiden armen Frauenzimmern umzusehen, die sie in so tapferer Weise aus den Klauen der ihrer französischen Einquartierung, dem Herrn von Turenne und dem Herrn von Fougerais, nachtumultuierenden Huxarienses errettet hatten.

Das junge Mädchen kniete auf dem Boden und hielt den Kopf der alten Frau im Schoße.