Und der Greis legte auch die eine Hand auf die Stirn und stützte sich mit der anderen gegen die Wand mit den unzüchtigen Zeichnungen des Regiments Fougerais:
„Herr, Herr, mein Gott, wann kommt der Frieden in deine arme Welt?!“ —
Lambert Tewes stand nun ernst genug mit untergeschlagenen Armen da.
„Höxter und Corvey!“ sagte er finster. „Meine lutherischen Väter standen für Stadt und Stift. Die Liga war’s, die Höxter in Trümmer legte und Sankt Viti Sarkophagen zerbrach. Eure fremdländischen Obersten und Kavaliers waren es, die die Gebeine unter sich verteilten, welche der Kaiser Ludwig hierher an die Weser getragen hatte.“
„So ist es,“ sagte Heinrich von Herstelle. „Das ist die Historia von Höxter, und ich — bin Mönch zu Corvey! Ich zog für die Liga; für den Winterkönig, die schöne Elisabeth und den tollen Christian ritt Just von Burlebecke, der mit mir aufgewachsen und von meiner Mutter mit mir erzogen war.“
„Just von Burlebecke!“ klang es wie ein Echo von dem Bette her, und unterstützt von der Enkelin deutete die Greisin mit zitternder, schwankender Hand auf den Erdboden, wo ihre Erbschaft zerstreut lag.
Dreizehntes Kapitel.
Der Student griff eben seinen Horaz, den er diesmal zum ersten Male in dieser Historie als unwiderlegbares Argument gebraucht hatte, auf. Das Buch lag mitten zwischen dem von der Diebeshand zerwühlten Trödel, und Lambert, drüber hinblickend, rief:
„Bei Merkur und Radamanth, ist das der Köder, der das Geschmeiß anzog? Mutter Leah, das habt Ihr aus dem Fürstentum Hildesheim auf Eurem alten Buckel nach Höxter geschleppt? O Moses und all ihr Propheten, wenn der Titus nicht mehr aus Jerusalem mit sich geführt hätte, so würde das spolium, der Plunder, wahrlich nicht der Mühe gelohnt haben.“