Das war richtig, und einen erfreulichen Eindruck machte die Schaustellung, die jetzt der Zufall und die Räubertatze bewerkstelligt hatten, nicht; armselige Wäschestücke, wohlfeile zinnerne oder bleierne Schaumünzen auf alle möglichen Ereignisse, kaiserliche, schwedische und französische Viktorien und Niederlagen — ein halbverbranntes hebräisches Gebetbuch mit silbernen Beschlägen und sieben Stück schlechter Löffel! Eine Halskette von böhmischen Glasperlen mit einem kupfernen Kreuz und ein zusammengedrückter winziger silberner Becher waren die wertvollsten Gegenstände, eine kupferne Pfanne und ein kleiner eiserner Kochtopf die umfangreichsten, bis auf die Decke von dem Sterbelager des Gronauschen jüdischen Mannes.
„Was weißt aber du von Just von Burlebecke, Weib?“ rief der Bruder Henricus bewegt, die Hand der Greisin fassend.
„Ich hielt seinen blutigen Kopf in meinem Schoß hier vor meines Vaters Tür,“ sagte die alte Leah, mit Mühe die Worte hervorstoßend. „Sie hatten ihm das Roß erschossen, und niemand wollte den schlimmen Feind im Anfang aufheben. Ach und doch hub damals der Krieg erst an! Da — da, sucht; er gab mir ein Angedenken, das ist aus einer Hand bei uns dann in die andere gekommen. In Gronau hab’ ich es wiedergefunden.“
Die Kröppel-Leah fiel wieder zurück auf das Stroh, der Student hielt dem Benediktiner sein Buch noch einmal hin:
„Was meint Ihr, Reverendissime, jetzt werfe ich’s zum übrigen, und wir fangen das Trödlergeschäft in Kompagnie an. Was leget Ihr aber in den Handel ein?“
Der greise Mönch stieß ihn nunmehr wirklich von sich; er kniete schon und suchte auf dem Boden. Mit unsicherer Hand warf er die Lumpen und Lappen hin und wider und ließ das Küchengeschirr und die erbärmlichen Raritäten und Kostbarkeiten untereinander erklingen.
„Beim heiligen Vitus,“ rief er plötzlich, „das ist meiner seligen Mutter Werk! Sie gab die Handschuh ihm, als er vor mir auszog. Sie war im Herzen für die neue Lehre; ich ging für meinen Vater zu den Kaiserlichen! Das ist Justs Handschuh mit meiner Mutter Spruch: Geh grad! — O Frau, o Leah, meine Mutter hat mit ihrer guten Hand die Goldfäden gezogen!“
Der Bruder Henricus hielt einen Reiterhandschuh, der mit verblaßtem Golde gestickt war, und nahm hastig, doch gerührt, von neuem die fieberhafte Hand der alten Jüdin:
„Das hat er Euch gegeben, Leah?“
Die Greisin strich die weißen, durch das Ringen mit dem Räuber gelösten Haare aus der Stirn und sagte: