Die Alte lachte rauh:
„Da seid Ihr also auch auf dem Trost, der uns gesungen wird seit den Tagen des Königs Nebukadnezar. Die Stolzen beugen sich, und der Herr lacht über sie — — — —“
„Und dieses alles, weil gestern der Lump, der Monsieur Fougerais, von Höxter abmarschiert ist!“ rief jetzt der Student ungeduldig dazwischen. „Zum Teufel, den Frieden haben wir erst dann, wenn niemand mehr sofort nach dem Prügel im Winkel greift, wenn er sich darauf gespitzt hat zu hören: Vivat Doktor Luther! und es ihm vom andern Tisch herkrächzt: Vivat Clemens der Zehnte — oder umgekehrt! Der Fougerais ist fort — —
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das Lied vom Trinken und Tanzen ist zwar schon nach der Schlacht bei Aktium gesungen und auf den Niederfall der Königin Kleopatra von Ägypten gemünzt; aber ich münze es häufig auf was anderes, und tausend Jahre nach mir wird man’s auch so halten. Item, man hat Jerusalem mehr als einmal wieder aufgebaut, Mutter Leah.“
„Doch die Fremden hausen auf der Wohnstätte des Samen Abrahams, junger Herr. Die Kinder von Juda und Israel irren als ein Spott und Spuk zerstreut; sie haben keinen Ort mehr, da sie Herren ihres Hauses und Leibes sind. Auch für Euch ist noch keine Zeit, den Siegestanz zu tanzen, junger Herr. Wollt Ihr wirklich dem Herrn von Fougerais und dem großen Marschall Turenne nachsingen und tanzen? Sie haben Höxter leer genug gemacht.“
„Meines hochwürdigsten Herrn zu Münster glorreiche Verbündete!“ murmelte der Bruder Henricus. „Lasset das Tanzen noch eine Weile, Herr Studente.“
In diesem Augenblicke erfüllte von neuem ein heftiges Getöse die Gasse und näherte sich dem Hause der Kröppel-Leah.