Wann die Hochwasser sich verlaufen haben, dann hängt der Schlamm noch für lange Zeit an den Büschen und überdeckt Wiesen und Felder, und es bedarf mehr als eines klaren Regens und heitern Sonnenscheins, um das Land der Wüstenei wieder zu entledigen. Und wenn die Flut gar in die Städte und Stuben der Menschen drang, dann ist das, was sie hineintrug und zurückließ, gleichfalls nicht so bald ausgekehrt und vor die Tore abgefahren.
In diesen schlechten und stinkenden Tagen sieht aber der Herr mit Vorliebe auf solche leichte, unverwüstliche Gesellen, die lachend über den Schmutz weghüpfen und ihre Hand zur Hülfeleistung gern und lachend da anbieten, wo sich mancher Ehrbare, Wohlweise und Hochansehnliche mit Ekel und Unlust abwendet und die Sache sich selber überläßt. Der Herr der Heerscharen hatte nach dem französischen Abzug in Höxter seine Freude an dem relegierten Helmstedter, Herrn Lambert Tewes.
„Inkommodieren sich Euere exzellenten Liebden nicht,“ rief der Student. „Redet das Beste hinter meinem Rücken von mir; ich werde mich erkundigen, was für einen neuen Unfug da die alte Bosheit, Meister Beelzebub, in Huxar ausgebrütet hat. Hab’ ich es nicht ein Dutzend Mal gesagt: — neque tectum neque lectum, das ist die einzig stichhaltige Devise für diese Nacht!“
Er sprang hinaus, doch die diesmaligen Hausfriedensbrecher kamen ihm bereits an der offenen Pforte entgegen, an ihrer Spitze sein Oheim Ehrn Helmrich Vollbort, der Pfarrherr bei St. Kilian.
Der, Ehrn Helmrich, hatte, während am Bett der Kröppel-Leah über den Handschuh Justs von Burlebecke gehandelt wurde, in der Stummerigenstraße sein Zwiegespräch mit dem Bürgermeister Thönis Merz eifrig fortgesetzt und willige Horcher im erbosten gemeinen Wesen von Huxar gefunden.
„So haben sie wiederum der Stadt Negotien nach ihrem Willen geordnet, die Herren von Corvey,“ hatte er zornig gesprochen. „Wird sich lutherische Bürgerschaft auch diesmal wieder den Maulkorb selber überhängen? Lutherisches Kirchenamt wird reden und sich nicht den Mund verbieten lassen!“
„Wir haben doch auch geredet, Ehrwürden; — aber was hilft’s?“ meinte der Bürgermeister.
„Was es hilft? O ihr närrischen Leute, klingt es euch denn noch nicht genug in die Ohren von dem Gnaden- und Segen-Rezeß, den euch der von Galen, so sich Bischof von Münster und euer Landesherr nennt, über dieselbigen gleich einer Schlafhaube ziehen wird? Behaltet nur das Wort in der Kehle und die Faust im Sack nach eurer faulen Art und wartet das nächste Jahr ab. Den Hechtsfang und sonstige schnöde Nichtigkeiten wird man euch wohl lassen; aber eure Kirchen und Schulen wird man euch vor den Nasen schließen; dann sehet, ob ihr die Schlüssel mit euren Netzen wieder auffischen werdet aus dem Fluß.“
„Was sollen wir tun?“ rief der Bürgermeister, und — „Was sollen wir tun, Ehrwürden?“ klang es im Haufen zornig und weinerlich nach.