„Erhebe dich, Weib. Willst du in dieser elenden Stadt die einzige sein, die da schläft in dieser Nacht?“
Wahrlich, das war so: die Kröppel-Leah schlief! Da hielt der Bruder Heinrich von Herstelle die übrigen nicht mehr; — sie drangen in das Gemach, so viel ihrer es halten wollte. Lambert Tewes schlug den Arm um die zitternde Simeath:
„Fürchte dich nicht, Juda hat seit der Makkabäer Zeit keinen bessern Kavalier gehabt als mich. Das Stift ist zu Bett; treiben sie es noch weiter, so können auch noch andere Leute als der luthersche und päpstliche Küster Sturm in Höxter läuten. Machen sie es allzu bunt, so steht der Besen immer in der Ecke, und wir kehren und fegen mit den Juden auch Höxter wie Corvey doch noch in die Weser!“
Das war ein freches Wort; aber es war Wahrheit dahinter. Es wurde gelacht im Haufen, und eine haarige Faust hob einen ansehnlichen Knotenstock gegen die Decke:
„Immer mit dem Zaunpfahl, Bruder Lambert! Gib du das Feldgeschrei, du Sakermenter. Es sind genug vorhanden, die endlich Ruhe in der Wirtschaft haben wollen. Höxter und Corvey in die Weser, und — Vivat der heilige Veit am Corveytor! Nimm du das Kommando, Lambert!“
Vernunft!? — —
Sie machten ein großes Geschrei und schüttelten das schlafende alte Judenweib an der Schulter. Sie hob noch einmal den Arm, als wolle sie das Gesicht gegen einen Schlag schützen; aber dann fiel der Kopf schwer zurück und auch der Arm wieder herab, der Leib streckte sich, und der, welcher sie an der Schulter gerüttelt hatte, trat betroffen zurück und rief:
„Zum Donner, die weckt keiner mehr in Höxter und Corvey!“
Da stieß das Kind einen Jammerruf aus und warf sich über die Großmutter, doch die Großmutter konnte auch auf die arme Simeath nicht mehr achten.
„Sie hat nun freilich die Stadt verlassen, und es war nicht nötig, daß wir mit Stangen und Schießgewehr kamen, sie zu holen,“ sagte der Bruder Henricus gegen Herrn Helmrich Vollbort gewendet. „Es sind nur Minuten, da fragte sie mich, ob ich den Frieden gefunden habe.“