Es lag mir schwer in den Gliedern, und ich wunderte mich gar nicht über die müden, verdrossenen Gesichter der Leute in den Straßen. Langsam, ein Bein dem andern nachschleifend, erreichte ich die Haustür der gnädigen Frau, und auch hier wieder fand ich natürlich den Signor Ceretto Wichselmeyer am Pfosten lehnend, — wie in jener Mondnacht unter dem Torbogen des Cyriacihofes. Außer der Hautfarbe hatte er von seinen afrikanischen Ahnen noch dieses an sich behalten, daß ihm nicht leicht bei irgendeiner europäischen Temperatur (physischen wie moralischen) zu schwül zumute wurde. Er nickte mir freundlich und aufmunternd zu, geleitete mich die Treppe hinauf, öffnete mir die Tür des Salons und meldete mich:
»Herr Baron von Schmidt!«
Da vernahm ich denn aus der Tiefe des bereits bei der Schilderung jenes Gesellschaftsabends erwähnten tropischen Zimmergartens ein sonores, wohlklingendes:
»Endlich!«
und entgegen meinem Herzklopfen rauschte die Frau Christine von Wittum, reichte mir die Hand und rief:
»Ich habe zu Ihnen geschickt, um doch einen Menschen zu haben, an dem ich mein Mütchen kühlen konnte. Welche ärgerlichen, verdrießlichen, langweiligen Tage! Aber Sie haben mich zu lange warten lassen, mein Herr; und während des Wartens hab' ich mich eines andern besonnen: Lieber Baron, ich würde noch einmal zu Ihnen geschickt haben, um Sie bitten zu lassen, ruhig zu Hause zu bleiben, wenn mich diese fürchterliche Luft nicht vollständig unfähig gemacht hätte, nochmals die Hand nach dem Klingelzug auszustrecken. O ihr Götter, was alles muß man in dieser trostlosen Welt ausstehen!«
»Allerlei Art von Dasein, liebe Gnädige,« sagte ich.
»Und ist das nicht gerade die Dummheit? Weshalb allerlei Dasein? Was geht uns das anderer Leute an? Ich bitte Sie, was zum Beispiel hatten Sie sich in die Verhältnisse dieser guten Menschen, die seltsamerweise augenblicklich uns beide zu gleicher Zeit quälen und beunruhigen, zu mischen?«
»Ich habe mich nicht hineingemischt, meine Gnädige. Mit Behagen, Spannung,
Rührung, Trauer und —«
»Und? und?«