»Das Haus stand; aber die Braut, die junge Frau sollte nicht einziehen. Sie starb an dem Tage, auf welchen die Hochzeit festgesetzt war, und an ihrer Stelle habe ich meinem armen Bruder seine Wirtschaft geführt, diese dreißig Jahre hindurch, dieses Menschenalter, von welchem an diesem stürmischen Abend so viel die Rede gewesen ist.«

»Und wir haben unsere Tage in der Stille doch gut verlebt,« sagte der Apotheker »zum wilden Mann« wehmütig lächelnd. »Wir sind in Frieden grau geworden, und der Sturm, der vor dem Fenster vorbeibraust, kümmert uns wenig mehr. Der freie Stuhl ist leer geblieben, und der, für welchen der Sitz aufbewahrt wurde, hat seine Ruhe wohl auch gefunden, an einem anderen Orte weit in der Fremde; hoffentlich nachdem er sich, wie er in seinem wilden Briefe da sagt, zu den Menschen zurückgefunden hatte. Wir aber, die wir hier miteinander alt geworden sind, wir wollen in Treue und guter Gesinnung auch fernerhin bei einander bleiben und kein Ärgernis an einander über die nächste Begegnung hinaus weiter tragen.«

»Das wollen wir!« sprachen beide Männer wie aus einem Munde.

»Gewiß, gewiß,« sagte das Fräulein.

Siebentes Kapitel.

Der Regen hatte augenblicklich aufgehört; aber der Wind war dafür um ein ziemliches heftiger geworden. Nach dem, was da erzählt worden war, ließ sich ein gleichgültiges Gespräch nicht leicht anknüpfen, und doch fühlte jeder das Bedürfnis dazu im hohen Grade.

Als Ulebeule sich endlich zusammennahm und kläglich sagte:

»Es ist doch ein tüchtiger Wind!« machte Fräulein Kristeller freilich die dazu gehörende Bemerkung:

»Ach ja, und die armen Leute, die jetzt auf dem Wasser sind!« aber das Gespräch war damit doch wieder zu Ende und fiel kläglich zu Boden. Herr Philipp hatte seinen schicksalvollen Brief wieder in das gelbgewordene Couvert geschoben und trat eben mit demselben in die Thür seiner Offizin, als er stehen blieb und rief:

»Da ist der Doktor!«