»Wir sehen uns doch morgen? Dieses alles kann doch gewiß nicht passiert sein, ohne daß man ein weniges mehr davon sieht und hört und sich darüber ausspricht!«

»Man fühlt freilich das Bedürfnis,« meinte der Pastor, »und ich meine, wir treffen wohl irgendwo zusammen. Man ist es auch unserm guten Apotheker schuldig, daß man sich nach seinem Befinden erkundige.«

»Und dem Oberst nicht weniger.«

»Gewiß, gewiß. Nun, wir werden ja sehen. Und nun gute Nacht, oder vielmehr guten Morgen, mein teurer Freund. Wir sind selten so lange bei einander geblieben als am heutigen Abend.«

»Und immer war's noch zu früh zum Aufbruch, und ich wäre sofort bereit, diesen wilden Indianer mit der ersten Dämmerung thauschlägig zu spüren. Aber der Kerl schnarcht — ich bin fest überzeugt, er liegt im Bau und schnarcht wie kein zweiter Mensch mit gutem Gewissen auf zwanzig Meilen in die Runde. Sapperlot, so wie ich mich aufs Ohr gelegt habe, fange ich an, vom Blutstuhl und diesem brasilianischen Landdragoner-General zu träumen, und — morgen — morgen — mache ich — doch Brüderschaft mit ihm!«


So sprach also die Welt! — Wenn eine Million Zuhörer in dem bildervollen Hinterstübchen der Apotheke »zum wilden Mann« dem alten Philipp Kristeller und dem Obersten Agostin Agonista zugehört haben würde, so würde diese Million denkender und redender Wesen kaum ein mehreres und anderes als der Pastor Schönlank und der Förster Ulebeule bemerkt haben. Der Seelenaustausch in diesen Wendungen genügte übrigens auch vollkommen: wenden wir uns zu dem greisen Geschwisterpaar in der Apotheke »zum wilden Mann« und zu seinem eigentümlichen Gaste zurück.

Elftes Kapitel.

Bruder und Schwester saßen allein im jetzt recht frostig werdenden Hinterstübchen, im erkaltenden Qualm von spirituösem Getränk und Tabaksdampf. Der Gast war zu Bett gegangen.

Der Hausherr hatte den Freund mit dem Lichte in das behagliche Gemach die Treppe hinaufbegleitet und noch einmal all sein überquellendes Gefühl in Wort und Empfindungslaut zusammenzufassen gesucht. Der Oberst hatte ihn freundlich zu beruhigen bestrebt und dann, noch in Gegenwart seines guten Philipp's, sehr gegähnt und den Rock ausgezogen. Liebevoll aber hatte er ihn doch noch einmal von dem ersten Treppenabsatz zurückgerufen und, ihm die Hand auf die Schulter legend, gesagt: