So webte die Zeit der Ottonen am neuen Wunder der Welt, so fing im sächsischen Land, von Frauen und Priestern geholt und gehütet, die nordische Bildung ein neues Zeitalter an.
Der Weltuntergangskaiser
Als Otto der Große starb, war Otto der Zweite, sein Sohn, noch ein Jüngling; aber als sie den Sohn in den römischen Marmorsarg legten, war Otto der Dritte, der Sohnessohn, noch ein unmündiges Kind.
Sie krönten das Kind, die Herzöge dienten ihm bei der Tafel und wehrten Heinrich dem Zänker, sich selber die Krone zu raffen; Frauen und Priester hielten das Knäblein in zärtlicher Hut, bis es in eigenen Schuhen zu gehen vermochte.
Aber die Schuhe waren von feinerem Leder, als es die sächsischen Gerber zu walken verstanden, sie waren mit goldenen Fäden gestickt und paßten nicht auf die Straße.
Als Otto der Dritte das Reichsschwert aufhob, sah er die bunten Steine am Griff mehr denn die Schärfe; er war dem Sachsentum fremd und sehnte sich nach der südlichen Sonne der Mutter.
Das Wunderkind hatten ihn früh die Frauen geheißen; und glühender war keine Seele ins Wunder gestellt, als da sich Theophanos Sohn als Kaiser der Christenheit krönen und huldigen ließ: die göttliche Vollmacht kam in die zärtlichsten Hände; die Würde des Abendlands war in die fiebrigen Wünsche des Knaben gelegt.
Alexander dem Herrlichen gleich sollte die Bahn seines Lebens anschwellen zum Ruhm, und höher als irdischer Ruhm sollte der Sinn seiner Sendung Himmel und Erde erfüllen.
Denn Otto, der Knabe, war Kaiser geworden, als das Jahrtausend der Wiederkunft Christi erfüllt war; mit heiserer Stimme und weinenden Augen rief sich das Abendland den kommenden Untergang zu.
Buße und brünstige Hoffnung brach aus den Brunnen der Tiefe; Wirklichkeit war nur noch ein wächserner Schein vor dem Licht der nahen Erlösung; das Leben warf seine Schatten der Ewigkeit hin; hinter den Tagen dröhnte das Weltgericht die Posaune.