Das Weltgericht stand vor der Tür, und Otto, der Knabe, hielt dem König des Himmels das Schwert seiner irdischen Herrschaft bereit.
Das Irrlicht der Tage riß den hitzigen Knaben hin zu hohen Gebärden und warf ihn zurück in den Taumel lüsterner Taten: im Münster zu Aachen stieg er mit Fackeln hinein in die Karlsgruft und stand mit flackernden Händen vor der Leiche des Kaisers.
Aber die Uhr schlug ihre Stunde wie sonst; die Sterne standen in spöttischer Ewigkeit über der Stadt und über den zitternden Herzen: das tausendste Jahr fing seinen Stundenweg an gleich seinen Brüdern; das Wunder blieb aus; der Mantel der Größe hing leer um den fröstelnden Knaben.
Heinrich der Heilige
Otto der Dritte, der sich als Herrscher der Christenheit fühlte wie keiner, starb auf der Flucht vor dem Aufruhr der Römer; mühsam wurde sein Leichnam geborgen, daß er im Münster zu Aachen die prunkvolle Lagerstatt fände.
Heinrich der Heilige kam auf den Thron, durch Williges wacker geleitet; der letzte sächsische Kaiser brachte sein Schwert bescheiden zurück in die irdische Geltung.
Denn Theophanos brünstiger Sohn war nur noch Kaiser von Rom und nicht mehr König der Deutschen gewesen; er hatte den Bogen gebeugt, der über dem Abendland stand: Rom allein sollte im Gottesstaat herrschen, als Knecht der Apostel wollte der Kaiser Schildhalter der Kirchenmacht sein.
Heinrich aber, der Urenkel Mathildens und Enkel von Heinrich, dem trotzigen Bruder Otto des Großen, blieb der sächsischen Herkunft als Landeswart treu.
König der Deutschen wie Otto, gab er sein bayrisches Herzogtum Heinrich von Luxemburg hin, das Haus seiner Macht mit den Balken der deutschen Kirche zu bauen.