Und weil es das Abendland wollte, sollte das Morgenland wieder die irdische Heimat der christlichen Menschheit werden: Maria hatte den Heerbann befohlen, sie würde – so war es den Mönchen verheißen – die siegreiche Weltkönigin sein.

Weihnachten war im Dom zu Speyer, als Bernhard dem König die Kreuzpredigt hielt: wie Moses den Quell, zwang sein gewaltiges Wort den Schwur aus den Seelen; das Volk weinte in seliger Lust, als Konrad, der Kriegsmann der Kirche, knieend die Fahne der Himmelskönigin nahm.

Nie war die Lust auf den irdischen Straßen so selig gegangen, nie hatte die Sehnsucht der Seelen so brünstig gebrannt, nie hatte das Kreuz so glühend gelockt wie nun auf den Fahnen, da sich das Abendland aufhob, das Morgenland zu befreien.

Vom Abendland aber zum Morgenland ging der Weg weit über Byzanz und über Nicäa hinauf in die Steinwüsten der Türken: gewaltig waren die Ritter gerüstet zur Schlacht, aber der Troß war zu groß, sich in der Wüste zu nähren.

Als der Durst nicht aufhörte, Roß und Reiter zu plagen, als die Glut der Steine das Leder zu dörren begann, als in den Nächten der Fieberdurst kam, als Seuche und Not den gepanzerten Lindwurm des Abendlandes fraßen, siegte grausam das Morgenland.

Die Wespen der türkischen Reiter fielen in Schwärmen über den schwerfälligen Leib und stachen ihn zornig zu Tode; ein Leichenfeld wurde die Straße von Doryläum zurück nach Nicäa: die Himmelskönigin hatte die Ihren verlassen, nur wenige sahen das Meer wieder.

Ein Klageschrei irrte ins Abendland heim, wie seinen Ohren noch keiner geklungen war: die Ritterblüte der Länder lag in der Wüste verdorrt, das Wunder hatte gelogen.

Das Wahnreich der Mönche sank hin; aus den Trümmern der himmlischen Herrlichkeit hob sich der grimmige Zweifel der Erde.

Heinrich der Löwe

Indessen der Kirche in Deutschland die goldenen Tafeln zerbrachen, weil sie den Berg der Verheißung nicht fand, war ihr der zäheste Gegner gewachsen.