Heinrich den Stolzen hießen sie seinen Vater, Herzog in Bayern und Sachsen, der Konrad dem Staufer die kärgliche Geltung bestritt; stolz war auch der Sohn, aber sein Stolz hielt der Stärke die Hand.
Er war noch ein Knabe, als Konrad, den staufischen König, der Tod Heinrichs des Stolzen aus schwerer Bedrängnis befreite; aber der Knabe war früh bei der Hand, die reiche Erbschaft zu halten.
Als Heinrich Jasomirgott mit seiner Mutter das Herzogtum Bayern bekam, ging er grollend nach Sachsen, weil er dem Stiefvater nicht die Hand seiner Mutter, wohl aber das Land seiner Väter bestritt.
Zum andernmal hielt ein Knabe und Jüngling den sächsischen Hof, aber nun war es der eigene Herzog, kein landfremder König; stark wie zur Zeit der Ottonen wuchs die sächsische Mauer um ihn.
So stark war die sächsische Mauer, daß Heinrich dem Kreuzzug des heiligen Bernhard ausweichen konnte, statt in das Morgenland gegen die näheren Feinde im Osten, die Wenden, zu ziehen.
Als Konrad wiederkam mit dem kläglichen Rest seiner Macht, war Heinrich im Haushalt des Reiches stark und selbstherrlich geworden; Kirchen- und Königsmacht fanden die sächsische Grenze gesperrt.
Noch war Heinrich ein Jüngling, aber schon hieß er der Löwe, und wo er die Tatze hinlegte, hob sich nicht leicht eine Hand, ihn zu stören: die Grafen und geistlichen Großen im Sachsenland mußten sich fügen, wie es der mächtige Landesherr wollte.
Aber er war kein Gewaltherr der Willkür; im sächsischen Weistum waren die Wurzeln des uralten Rechts sorgsam bewahrt, auf dem heiligen Boden der Herkunft standen Wahrspruch und Richtschwert; Heinrich der Herzog war Richter und Hüter, wie es die Herkunft gebot.
Er ließ der Kirche das Amt ihrer geistlichen Sendung, aber der Bischofsmacht hielt er die Zügel; und als er Lübeck neu baute, gab er der Stadt einen Bischof, ihre Geltung zu mehren, aber auch einen Rat, im Namen des Herzogs sich selbst zu verwalten.
Er machte die Herkunft lebendig und zerbrach den Deckel lateinischer Bildung: er war ein deutscher Fürst und ließ der Kirche das Morgenland, dem König die römischen Händel, weil er im eigenen Bienenstock die Waben des sächsischen Wohlstands baute.