Sie gaben die große Verderbnis der Kirchenweltlichkeit zu, aber sie haderten nicht mit der Kirche um der menschlichen Schwäche im Priesterkleid willen; sie waren Ritter des Geistes und bauten dem Glauben kunstreiche Brücken zu einer anderen Kirche, die hinter dem Schein Wirklichkeit war.
Auch gingen sie nicht mit dem Bettelsack auf die Gassen; sie fanden die Türen der reichen Gemächer, darin die Landesgewalt auch nur ein Mensch war; sie schwiegen dem Volk, aber sie wußten den Fürsten geschickt von den Pflichten und Rechten der christlichen Herrschaft zu sprechen.
Sie kamen als Gärtner der Jugend: wo das Holz sich verjüngte und wo die Stämme noch schwank waren im Saft, setzten sie klug ihre Stäbe.
Der spanische Kaiser ging kläglich ins Kloster, weil seine Weltherrschaft wankte, sie aber kamen ins Reich mit ihren spanischen Hüten; und wo er mit all seinem Kriegsvolk nichts gegen den Brand der Ketzer vermochte, nahmen sie klug und behutsam das fürstliche Holz aus dem Feuer.
Calvin
Als Zwingli bei Kappel den Glaubenstod fand, Eidgenosse und Kriegsmann trotz seinem Predigerrock, führte in Genf schon Calvin, der fromme Franzose, sein strenges Kirchenregiment.
Er wollte die Christengemeinde wie Zwingli; Zucht und Eifer der Gläubigen sollten dem Staat das wahre Bürgertum bringen: der paulinische Glauben der ersten Christengemeinde zog das Jahrtausend der Papstherrlichkeit aus.
Alles, was in den kirchlichen Räumen und Bräuchen Erbschaft des Morgenlandes war, sollte dem Sinn der gläubigen Brüderschaft weichen, statt einem prunkvollen Tempel sollte die Kirche ein schmuckloses Gemeindehaus sein.
Sie tünchten die Wände weiß und räumten den Hochaltar aus; sie nahmen dem Chor den lateinischen Priestergesang fort und ließen die ganze Gemeinde das Kirchenlied singen; sie saßen beim Abendmahl fromm miteinander, dem leidenden Herrn zum Gedächtnis.
Sie nannten sich Reformierte und achteten streng, daß ihrer Christengemeinschaft nichts beigemischt sei, was nicht in der heiligen Schrift als Gottes Gebot stände.