So war es in Genf, in Zürich und Bern, in Basel und Straßburg; aber die Männer in Wittenberg blieben mit Eifer lutherisch; hatte der Meister mit großen Worten gepoltert, so zankten seine Gesellen.
Melanchthon in seinem ermatteten Alter wollte die Geister versöhnen, aber sie schalten ihn lau; als er dahinging in bitterer Klage über die geistliche Zanksucht, schied das Bekenntnis die Streitlager der Protestanten für immer.
Calvinisch hießen die einen, lutherisch die andern, und hätten sich eher Ketzer geschmäht, als daß sie die Bruderhand fanden.
Die aber im Gnadenbereich der römisch-katholischen Kirchengewalt blieben, hielten das dritte Konzil in Trient, Kirchenverderbnis und Ketzerei miteins auszurotten; und wie der Hund die verlaufene Herde umbellt, so kamen die Jünger Jesu ins Reich, den Streit nach ihrer Weise zu schlichten.
Die spanische Hand
Maximilians einziger Sohn, Philipp der Schöne genannt, war spanischer König geworden: mit Karl, seinem bläßlichen Sohn, kam das Schlingseil der habsburgischen Hausmacht zurück und wollte das Abendland binden.
Als ob noch einmal die alte Kaisermacht wäre, trug der spanische Jüngling die Kronen Europas, eifrige Lobredner sangen den Ruhm seines Reiches, darin die Sonne nicht unterging.
Denn seiner Macht hatte der Westen das Wundertor aufgeschlossen: die alte Welt hatte die neue entdeckt, und Spanien münzte das Gold aus, das Columbus, der kühne Seefahrer, fand.
Das Märchen der indischen Goldländer trat in den spanischen Tag ein; unübersehbaren Reichtum brachten die Schiffe herüber, als Ferdinand Cortez mit seinen Soldaten ins Sonnenland Mexiko kam.
Wie Wölfe brachen die eisernen Männer des Abendlandes ein in das Weideland friedlicher Völker, das Goldfieber brannte die Herzen der Christenheit leer; Europa, das Raubtier, begann der Welt seine Krallen zu zeigen.