Graf Starhemberg hieß der mutige Mann, der auf den zerschossenen Mauern der Stadt noch standhielt, als in der Bürgerschaft schon das Entsetzen an keine Rettung mehr glaubte.
Die Burgbastei war gesprengt, nur die eine Nacht noch konnte die Stadt den Sturm überstehen: wie Heimdals Horn die Asen aufrief, so sandte der Stephansturm den Hilferuf seiner Raketen hinaus in die Nacht.
Lange schon standen die Fürsten am Kahlenberg, aber sie waren zu schwach, den Sturm auf das gewaltige Lager der Türken zu wagen, bis Johann Sobieski, der tapfere König der Polen, sein starkes Heer brachte.
Die türkischen Sturmleitern standen am Morgen bereit, aber wie Doggen den Panther anfallen, so brachen die Polen und Deutschen vereint in das Lager und ließen nicht ab, bis das Wild gefällt war.
Zehntausend Türken lagen erschlagen, und ein verspätetes Kreuzritterglück holte die Schätze des Morgenlandes heim; denn ein unendlicher Troß hatte Kara Mustaphas Heer begleitet, und was sich nicht selber zu retten vermochte, war Beute.
Die Glocken läuteten Sieg vom Stephansturm wie niemals zuvor, und Johann Sobieski, dem Retter, wurden die Wege mit Blumen bestreut; auch der Kaiser war wiedergekommen, aber er konnte den Wahlkönig der Polen nicht in der Hofburg empfangen, weil er kein fürstliches Blut hatte.
Draußen im Lager von Ebersdorf wurde mit höfischem Umstand eine Begegnung zu Pferd vorbereitet; der Kaiser war gnädig, sein Hütchen zu lüpfen und einige Worte – peinlich bemessen – dem König zu sagen.
Höher als Wien, seine Hauptstadt, galt ihm der Habsburger Hochmut, und über dem Glück der Entscheidung, die das Abendland von der Türkengefahr befreite, stand den Schranzen der Hofburg der höfische Brauch.
Holland
Die sieben Provinzen im Niederland hatten mit Spanien Frieden gemacht, sie hießen nun Holland nach ihrer stärksten Provinz und waren ein Freistaat, obwohl die oranischen Prinzen Statthalter blieben.