Der Staat, das bin ich! so hatte der Jüngling in Frankreich die Losung des Fürsten gesprochen; daß sie dem Kurfürsten in Brandenburg wahr werde, mußte sein schlimm verwüstetes Land erst ein Staat und er selber sein Herr werden.
Allerlei Völker, Städte und Stände waren ihm untertan und wollten regiert sein nach ihren Rechten; er aber wollte sein Herrschergewand nach eigenem Maß nähen und warf das Flickwerk der Herkunft ins Feuer.
Kein Fürst nahm seinen Städten und Ständen mehr Freiheit und Herkunft, als Friedrich Wilhelm in Brandenburg tat, den sie danach den großen Kurfürsten nannten.
An der sumpfigen Spree in Berlin stand seine düstere Burg, den Trotz der eigenen Bürgerschaft blutig zu dämpfen; alles, was er besaß, war ihm bestritten, und nur sein immer gerüstetes Heer gab ihm die Macht, es zu halten.
Wohl baute auch er sein Versailles draußen in Potsdam, aber es blieb nur ein rüstiges Landschloß, und den Lustgarten davor hielt die Havel ängstlich begrenzt.
Vor dem Kaiser war er ein Sperling, vor dem König von Frankreich nur eine zornige Biene; aber er wurde nicht lässig, die Waben zu bauen, bis Ordnung und Wohlstand in Brandenburg schüchtern begannen.
Als Turenne nach der Pfalz auch Holland mit Krieg überzog, bekam der König von Frankreich den Stachel zu fühlen: mit seinem trefflichen Heer sprang der Kurfürst dem Oranier bei und rastete nicht, bis den Franzosen endlich der Reichskrieg erklärt war.
Aber Ludwig, der Hofmeister der Fürsten, hetzte ihm listig die Schweden ins Land; so mußte die zornige Biene eilig nach Hause.
Die reitenden Boten hatten kaum seine Ankunft gemeldet, da fiel ein Handstreich schon über die Schweden in Rathenow her; und als er die Hauptmacht bei Fehrbellin fand, griff er sie an, wo sie stand, und jagte sie in die märkischen Sümpfe.
Die Schweden mußten den Einbruch teuer bezahlen, Pommern samt Rügen ging ihnen verloren; als sie im Winter durch Livland in Preußen einbrachen, kam der Kurfürst mit Schlitten über das Kurische Haff und jagte die Scharen bis Riga.