So war die freie Gemeinde in Sonntag und Werktag geschieden: indessen Bürger und Bauern den mühsamen Trott der Werktage gingen, saß in den Schlössern der ewige Sonntag zu Tisch.

Blinkende Gläser und dampfende Schüsseln, seidene Kleider und stolze Perücken, lüsterne Tänze und Spiele, faule Tage und fleißige Nächte füllten die Säle und Hallen der Schlösser, indessen draußen die Arbeit und Plage den schweren Stundenschlag hatten.

Leichtsinn und Laster nahmen der ehrlichen Arbeit den Lohn; Frechheit und Faulheit fraßen den Trog leer, den die verachteten Hände der Bürger und Bauern mühselig füllten.

Gott war nach Frankreich gegangen, und die sein Priesterkleid trugen, dienten ihm gern in der Fremde; Fürsten und Pfaffen glänzten im Glück der welschen Erhöhung, die Seele der Deutschen saß stumm und verachtet im Turm der Bedrängnis.

Der Soldatenkönig

Indessen die Fürsten und Höfe in Deutschland verwelschten, indessen der Troß ihrer Minister, Mätressen, Pferde und Jäger den mageren Wohlstand der Länder verzehrte, wurde in Preußen, so hieß es, ein geiziger Grobian König.

Hermelin und Krone hielt er für unnützen Zierrat, der Soldatenrock war sein tägliches Kleid und der Krückstock sein Zepter; er schnitt dem prunkenden Hofstaat des Vaters die Goldlitzen ab und wohnte wie ein Landedelmann draußen in Potsdam.

Soldaten, Bürger und Bauern: mehr brauchte er nicht für das Land, nur Prediger noch und Schulmeister, daß sie dem Untertan Zucht und Sitte beibrächten und den rechten Gehorsam.

Der Staat, das bin ich! galt auch für ihn; aber sein Wille war keine Willkür sondern Dienst am Gesetz, dem er der oberste Richter sowohl wie der unterste Büttel war.

Wie Peter der Große, sein russischer Nachbar und Freund, hielt er vom Galgen mehr als von sonst einer Weisheit; Männer und Frauen eigenhändig zu prügeln, wo er sie ungehorsam fand, galt ihm keine Schande für einen König.